November 25, 2020

Gemeinsam-Zeit

Mama Christine balanciert drei Einkaufstaschen, während sie versucht, auf einem Bein stehend, gleichzeitig den Schlüssel in der Haustür umzudrehen und ihrem Chef zu versichern, dass der aufgebrachte Kunde von heute bereits besänftigt ist und er keine weiteren Folgen zu befürchten hat. Endlich lässt sich der Schlüssel drehen und der Chef entlässt sie in ihr wohlverdientes Wochenende.

Gleichzeitig sitzt Papa Stefan immer noch in der Firma am Schreibtisch und wird nicht Herr über die Aktenberge, die sich dort türmen. Feierabend ist eigentlich noch nicht in Sicht und dann muss er ja auch noch fast eine Stunde nach Hause fahren. Also schickt er seiner Frau Christine kurz eine WhatsApp, dass es heute wohl mal wieder später wird.

Zuhause unterdessen bietet sich Mama Christine über ihre Einkaufstüten hinweg der immer gleiche Anblick. Jonas hockt vor dem Fernseher und schaut irgendeinen Zeichentrick, während Luisa lautstark versucht, die Fernbedienung an sich zu reißen, um endlich ihre Sendung anschauen zu können. Von Mia ist weit und breit nichts zu sehen, obwohl sie versprochen hatte, ein Auge auf die Kleinen zu werfen.

Mama Christine wirft entnervt die Einkaufstüten auf den Esstisch. Als dann auch noch eine Packung Sahne aus der Tüte kullert, vom Tisch hüpft und sich über den ganzen Boden verteilt, fasst sie endgültig den Entschluss: „Hier muss sich etwas ändern! So habe ich mir Familienleben nicht vorgestellt!“

Nach dem allabendlichen Abendbrot-, Zähneputz- und ins-Bett-bring-Wahnsinn fällt sie erschöpft aufs Sofa. Gerade als ihre Augen zuzufallen drohen hört Mama Christine den Schlüssel im Schloss und ihr Mann Stefan steht in der Wohnzimmertür. „Wir müssen uns unterhalten!“ ist das erste, mit dem sie ihn begrüßt.

Eigentlich hat Papa Stefan nach diesem anstrengenden und viel zu langen Arbeitstag keine Energie mehr für Diskussionen. Er sieht seiner Frau aber an, dass es wirklich dringend und wichtig ist und wirklich glücklich und zufrieden ist er ja auch schon länger nicht mehr. Dass es diesmal nicht um Vorwürfe geht, spürt er deutlich als seine Frau Kerzen entzündet und einen Rotwein aus dem Keller und die guten Weingläser aus der Vitrine holt. Jetzt kann er sich schon ein wenig mehr entspannen und seiner Frau offener zuhören. Und so machen die beiden es sich bei Kerzenlicht und einem Glas Wein gemütlich. Christine berichtet von ihrem Entschluss und auch Stefan kommt zu Wort und erzählt, wie sehr ihm die gemeinsame Zeit mit seiner Familie und auch mit ihr fehlt.  Und so beginnen die beiden Pläne für mehr Familien- und Gemeinsam-Zeit zu schmieden.