März 7, 2021

SB-Geschichte

Eine Reise durch die Zeit

Viele kennen uns nur als Großhändler – hier kaufen doch nur Besitzer von Restaurants oder Kiosks ein. Richtig! Und auch wieder überhaupt nicht. 😉

Brülle & Schmeltzer ist vor allem auch eins: ein Familienunternehmen mit einer langen Tradition. Inzwischen schauen wir auf 165 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Eine Firmengeschichte, die immer auch geprägt war vom Geschehen in der Welt. Und wir alle wissen, dass die letzten 160 Jahre eine sehr bewegte Zeit waren. So haben wir sowohl 2 Weltkriege und das Wirtschaftswunder erlebt und stecken gerade aktuell in einer neuerlichen Zeit des Wandels. Vor uns liegen die Verheißungen aber auch die Herausforderungen einer zunehmend digitalen Welt.

Wir möchten Sie mitnehmen auf eine Reise durch eine bewegte Firmen- und Weltgeschichte. Erleben Sie mit uns gemeinsam berührende und herausfordernde Momente, lernen Sie Musik und Menschen der jeweiligen Zeit kennen und lassen Sie sich auf unserer Reise in andere Zeiten entführen. Niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit hat sich die Lebensumwelt für uns so rasant verändert, wie in den letzten Jahrzehnten. Durch diese gemeinsame Reise rufen wir uns nochmals die spannendsten und emotionalsten Momente in Erinnerung. Durch einen Rückblick können wir auch gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft lernen.

Die SB-Zentralmärkte haben es sich schon immer zum Ziel gemacht, eine lebenswerte und wertschätzende Atmosphäre für Kunden und für die Mitarbeiter zu schaffen. Bei uns werden familiäre Werte gepflegt. Wir freuen uns darauf, diese mit Ihnen zu teilen und Ihnen einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen. Denn wir finden, gelebte Werte machen ein Unternehmen authentisch und alle Beteiligten zufrieden. Eins sei Ihnen an dieser Stelle schon verraten: Im Fokus stand bei uns immer die Versorgung der Menschen und das auch in wirtschaftlich und geschichtlich herausfordernden Zeiten.

Teil 2: Der Grundstein zum Erfolg

Den Grundstein zum Erfolg legte Peter Brülle am 1. Mai 1853 im wunderschönen Lippstadt in Westfalen. Ein bisschen Glück ging dem Ganzen allerdings voraus. Vorher war Peter bei der Armee und schaffte sein kaufmännisches Examen dank seiner Vorgesetzten, die ihn für diese Zeit vom Dienst freistellten. Ein weiterer Glücksfall – und das nicht nur für Peter – war, dass Preußen damals nicht in den Krieg zog.

Heute findet sich der SB-Zentralmarkt Lippstadt an der Mercklinghausstraße im Süden der Stadt. Der Grundstein für den Erfolg der SB-Märkte wurde jedoch in der Lippstädter Innenstadt auf der Langen Straße gelegt. Heute betreibt das Sanitätshaus Beumer-Wicker dort sein Ladengeschäft.

Unser Anfangs-Sortiment

Am 10. Mai 1853 wurde Peters Geschäft unter dem Namen „Colonialwaaren- und Landesproducten-Geschäft“ im Lippstädter Patrioten vorgestellt. In Peters Kolonialwarenabteilung fanden die Kunden damals besondere Artikel, wie z.B. Schokoladen, Kakao, chinesische Tees, deutsche und französische Cognacs, medizinische Weine sowie Zigarren und Zigaretten. Ein einträgliches Geschäft war damals auch der Handel mit Saaten und Gartensämereien, denn ein Großteil der Bevölkerung betrieb Landwirtschaft im Nebenerwerb. Zum Sortiment gehörten ebenfalls Drogen, Farben, Lacke und Pinsel, Tafel- und Spiegelglas.

Eine gute Standortwahl


Im 19. Jahrhundert war Lippstadt eine Stadt, der es wirtschaftlich richtig gut ging. Die Bevölkerungszahlen stiegen kontinuierlich und die Volkszählung aus dem Jahr 1849 ergab eine Einwohnerzahl von 4.845. Lippstadt war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einer der Haupt-Kornmärkte Westfalens. Zusätzlich florierte der Handel prächtig und die ausgedehnten Weideflächen an der Lippe baten beste Voraussetzungen für den Handel mit Mastvieh und Butter. Da das Militär damals viele Pferde für seine Truppen benötigte, fand auch in Lippstadt traditionell jährlich ein Pferdemarkt statt. Die Pferde stammten übrigens vom Gut Mentzelsfelde, welches heute ein beliebter Veranstaltungsort, z.B. für Hochzeitsfeiern, ist.

Die direkte Lage an der Lippe, sorgte weiterhin für eine Ausdehnung des Handels. Über die Lippe als Handelsroute erfahrt ihr mehr im nächsten Teil.

 

Teil 3: Handelsschifffahrt auf der Lippe

Am 17. Mai 1850 (also 3 Jahre bevor Peter Brülle sein Geschäft eröffnete) war Lippstadt gerade preußische Kreisstadt geworden. #Lippstadt lebte damals hauptsächlich von der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte (Getreide, Gemüse, Seile, Leder, Bier und Branntwein). Das Wohlergehen der Stadt hing jedoch in erster Linie auch mit der Ausweitung der Lippeschifffahrt zusammen, die in den Jahren um 1850 ihren Höhepunkt erreichte. So wurde nicht nur der Export der eigenen Waren sondern auch der Import von Kolonialwaren sichergestellt, die Peter Brülle dann in seinem Geschäft den Kunden anbieten konnte.

Lippstadt hatte zu dieser Zeit sogar einen eigenen Hafen, der sogar einen zollfreien Teil, also einen Freihafen hatte.  Um die Lippe befahren zu können, mussten die Lippstädter Mühlen umgangen werden. Zu diesem Zwecke wurde der Schifffahrtskanal zwischen Lippe und nördlicher Umflut gebaut. Dies ermöglichte eine Weiterfahrt zum Oberlauf der Lippe . Den Kanal gibt es heute noch, während die Lippeschleuse, die im Jahr 1830 als 19. und letzte der Lippeschleusen dem Verkehr übergeben wurde, im Bereich des heutigen Grünen Winkels schon lange verschwunden ist.

Durch die Schiffbarmachung der Lippe nahm die Ausfuhr von Getreide, Salz, Wolle, Pottasche, Branntwein, Glas, Leinwand und Schiefer stark zu. Importiert wurden Wein, Kolonialwaren, Tannenholz und Steinkohle. Insgesamt dauerte die Ära der Schifffahrt auf der Lippe jedoch nur von 1816 bis 1884. Den noch erhaltenen Schifffahrtkanal finden wird heute im Lippstädter Naherholungsgebiet "Grüner Winkel".

Teil 4: Das Metzgeramtshaus Lippstadt

Das Metzgeramtshaus in Lippstadt, das übrigens im Jahre 1809 von Franz Brülle gekauft wurde, gilt deutschlandweit als einziges Gebäude, das den rechtlichen Nachfolgern einer Zunft gehört.

Insgesamt gab es in Lippstadt 11 Ämter. Diese hatten über Jahrhunderte hinweg starken Einfluss auf die Stadtpolitik. 1774 wurden allerdings die bisher gültigen Privilegien der Ämter durch eine neue Satzung beschnitten. Doch die Lippstädter kümmerten sich nicht sonderlich darum. Bis im Jahr 1810 alle Ämter aufgelöst wurden. Schuld daran war Napoleon, der die Stadt schon seit 1806 besetzt hielt.

Allerdings hatte er nicht mit der List der Lippstädter Metzger gerechnet. Diese wollten nämlich unbedingt vermeiden, dass das Haus in fremde Hände fiel. Und so griffen sie zu einer List, bei der das Amtshaus zum Schein in private Hände verkauft werden sollte. Die damals regierenden Richtleute des Metzgeramtshauses, Adolf Brülle und Friedrich Gallenkamp beriefen für den 14. Dezember 1809 eine Versammlung ein, in deren Verlauf Franz Brülle für 612 Reichstaler den Zuschlag erhielt. Der Kaufvertrag wurde geschrieben und wie bei allen wichtigen Entscheidungen setzten alle 29 Amtsmitglieder ihre Unterschrift darunter. Wichtigster Punkt des Vertrages war, dass Franz Brülle solange das Amt bestand, gestatten musste, dass alle Versammlungen weiter unentgeltlich im Metzgeramtshaus abgehalten werden konnten.

Im Februar 1810 war es schließlich soweit und alle Ämter wurden aufgehoben. Dies bedeutete, dass sie all ihr Vermögen abliefern mussten. Im Metzgeramt war jedoch durch die angewandte List kein Vermögen mehr vorhanden. Dieses geniale Manöver führte dazu, dass es dem Metzgeramt als einzige Gilde in Lippstadt gelang, bestehen zu bleiben und auch später wieder in den Besitz ihres Amtshauses zu kommen.

Teil 5: Was brauchte eine Stadt im 19. Jahrhundert um wirtschaftlich aufzublühen und den Bürgern Wohlstand zu bieten?

Richtig! Eine gute Verkehrsanbindung. Insbesondere ins aufstrebende Ruhrgebiet, wo Kohle und Erz gefördert wurden. Und so erhielten Lippstadt und Soest im Jahr 1850 Anschluss an das Eisenbahnnetz. Der erste Personenzug der Königlich-Westfälischen Eisenbahn befuhr die Strecke Paderborn-Lippstadt-Soest-Hamm am 4. Oktober 1850. Einige Tage später kam der erste mit Kohlen beladene Güterzug nach Lippstadt.

Der Reiseverkehr nach Norden (Rheda) und Süden (Meschede) wurde weiterhin mit Postkutschen abgewickelt.

Neben dem Eisenbahnverkehr und der Schifffahrt wurden auch die Straßen weiter ausgebaut. So entstand auch die heutige B55, zunächst als Chaussee zwischen Erwitte und Wiedenbrück. Das brachte natürlich den Handel ordentlich in Schwung. Bereits 1823 war die Chaussee fertiggestellt und weitere vier Jahre später die gesamte Fernstraße bis nach Minden,, wo sie die Weser mit dem Rhein verband.

Das Reisen war trotz aller Neuerungen weiterhin beschwerlich. Können Sie sich heute noch vorstellen, für eine Strecke von 100 km 2 Tage unterwegs zu sein?

Teil 6: Zu zweit auf Erfolgskurs

Lippstadt war eine wohlhabende Stadt, die schnell expandierte. Eine rasch wachsende Bevölkerung wollte natürlich auch gut versorgt sein. Da Peter Brülle einen ausgeprägten Geschäftssinn besaß, war er stetig auf der Suche nach Möglichkeiten, dem gestiegenen Bedarf durch ein eigenes Großhandelshaus entgegen zu kommen.
 
 
1856 war es dann so weit. Peter Brülle nahm Hermann Schmeltzer, einen erfahrenen Lippstädter Kaufmann, als Partner auf. Gemeinsam gründeten sie das neue Unternehmen "Brülle & Schmeltzer" am Südertor. Der Gründungsvertrag wurde am 30.06.1855 geschlossen und das Unternehmen nahm am 01.01.1856 seine Geschäfte auf. Ausgestattet war "Brülle & Schmeltzer" damals mit 20.000 Talern, von denen allein 15.000 von Peter Brülle eingbracht wurden.
Das Vertragswerk, welches in kalligraphisch gestochener Handschrift verfasst wurde, ist auch heute noch im Original erhalten und regelte die Rechte und Pflichten beider Teilhaber. Unter anderem sicherte Peter Brülle sich 4 Prozent Zinsen aus seinen Einlagen. Sowohl Peter Brülle als auch Hermann Schmeltzer sicherten sich die Fortführung ihrer bisherigen Geschäftstätigkeit, jedoch mit dem Ausschluss des Handels en gros.

So wurde ein weiterer wichtiger Grundstein für die erfolgreiche Geschichte der SB-Zentralmärkte gelegt,die von heute Allan Brülle geführt werden.

 

Teil 7: Erfolgreiche Teamarbeit mit frühem Ende

Peter Brülle und Hermann Schmeltzer pflegten offenbar eine sehr freundschaftliche (jedoch stets auch geschäftsmäßige) Beziehung. So geht es zumindest aus den handgeschriebenen Geschäftsbriefen von 1857 hervor, in denen Peter Brülle beispielsweise schrieb:

"Mein lieber Schmeltzer!...vom Caffee berichten die holländischen Caffeemärkte rätselhafte Steigerungen. Auch die Sorge um den Roggen, der genau zu dem Zeitpunkt knapp wurde als der Verkauf gerade so richtig in Schwung kam wurde miteinander geteilt. Auch geht aus den alten Geschäftsbüchern hervor, dass Schmeltzer die Waren manchmal schneller absetzte als die Firma sie beschaffen konnte.

Im Jahre 1857 gab es in Lippstadt insgesamt 34 Firmen, die ihre Geschäfte "en gros" betrieben. Eine davon war Brülle & Schmeltzer, die übrigens heute die einzige dieser Firmen ist, die noch besteht.

Leider endete die erfolgreiche Ära von Brülle & Schmeltzer jäh als Hermann Schmeltzer im Alter von 41 Jahren am 14. April 1859 an Schwindsucht verstarb. Er hinterließ eine Frau und ein Kind. Dies war für die Firma ein herber Verlust, zu dem Peter Brülle schrieb:

"Es war ein großer Verlust, ein edles, treues Herz hat aufgehört zu schlagen." Peter Brülle wollte keinen weiteren Teilhaber aufnehmen und führte von da an die Geschäfte allein weiter. Die Erben Schmeltzers wurden ausbezahlt.

Doch auch schon damals war die wirtschaftliche Lage in Deutschland von der Weltwirtschaftslage abhängig. Damals erreichte der amerikanische Sezessionskrieg (1861 - 1865) seinen Höhepunkt. Dieser führte zu erheblichen Erschütterungen der Weltwirtschaft und Peter Brülle machte sich trotz seines florierenden Geschäftes Sorgen um die Zukunft. Und so schrieb er am 7. Oktober 1864 einen Brief an seinen damals 9-jährigen Sohn Fritz, in dem er seine Sorgen zum Ausdruck brachte. Gleichzeitig gab er seinem Sohn ein paar Ratschläge mit auf den Weg, sollte er selbst nicht mehr auf dieser Welt weilen.

Und so hatte auch ein Kaufmann des 19. Jahrhunderts schon die gleichen Sorgen und Nöte wie Unternehmer in der heutigen Zeit sie auch kennen: Das stetige Risiko, die Abhängigkeit von der Zahlungsmoral der Kunden, die Unsicherheiten der Weltwirtschaft und die Verantwortung für die eigene Familie. 

Teil 8: Chronik der 1. Generation

In den letzten Wochen haben wir einiges über die Entstehungsgeschichte der SB-Zentralmärkte und die weltgeschichtlichen Entwicklungen erfahren.

 Mit dem Tod Peter Brülles am 29. März 1886 endet das Wirken der 1. Generation und die 2. Generation tritt in die Fußstapfen. Heute fassen wir in einer Chronik noch einmal die wichtigsten Ereignisse der Familie Brülle und der Firma Brülle & Schmeltzer der 1. Generation zusammen:

1853 Peter Brülle eröffnet im Alter von 27 Jahren in Lippstadt, Lange Straße 93, einen Kolonialwarenladen, dem ein Kohlengroßhandel angeschlossen ist.

1854 Peter Brülle heiratet Bertha Stoffregen1855Fritz Brülle wird geboren

1856 Peter Brülle gründet mit Hermann Schmeltzer durch Vertrag vom 8. Juli 1855 eine Großhandelsfirma für Kolonialwaren und landwirtschaftliche Saaten.

1859 Hermann Schmeltzer stirbt am 14. April.Nach Auszahlung der Erben ist Peter Brülle alleiniger Inhaber.

1863 Rudolph Brülle wird geboren.1884Fritz Brülle heiratet Luise Krüger.

1886 Peter Brülle stirbt 60-jährig am 29. März.Am 17. April wird die Firma ins Handelsregister eingetragen.Fritz Brülle behält die bereits bestehende Prokura. Bertha Brülle übernimmt die nächsten 15 Jahre die Leitung der Firma.

Teil 9: Die 2. Generation

Brülle & Schmeltzer wird ins Handelsregister eingetragen.

Nach dem Tod von Peter Brülle mussten einige organisatorische Änderungen stattfinden. Mittlerweile hatte sich auch in Deutschland durchgesetzt, dass Firmen einer gewissen Größe in Handelsregister des zuständigen Amtsgerichts eingetragen wurden. Damit entstanden natürlich auch Verpflichtungen hinsichtlich der Bonität des Unternehmens und der der Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung. Und so wurde noch im Todesjahr Peter Brülles am 17. April 1886 diese Eintragung vorgenommen.

Fritz und Rudolph Brülle teilen sich die Arbeit.

Von nun an führten die beiden Brüder Fritz und Rudolph als Söhne und rechtmäßige Erben von Peter Brülle das Geschäft weiter. Fritz übernahm dabei den Innendienst und Rudolph den Außendienst, zu dem auch der gesamte Reiseverkehr gehörte. Der Aufschwung um die Jahrhundertwende setzte der gemächlichen "guten alten Zeit" ein Ende: die Verkehrsverbindungen wurden immer besser und erleichterten damit die Geschäftsreisen der Handelsreisenden erheblich. So kam es, dass ein Reisender es nicht mehr schaffte, das erweiterte Absatzgebiet zu bedienen. So wurde eine Schar von Vertretern erforderlich, die Rudolph fortan vom Büro aus delegierte.

Auch der Einsatzbereich von Fritz änderte sich mit der Zeit: So leitete er nicht mehr nur den Einkauf sondern musste sich auch mehr und mehr dem Geldverkehr mit den Banken und dem Rechnungswesen zuwenden. Zudem machten moderne kapitalistische Methoden den Warenverkehr komplizierter.

Doch die beiden Brüder ergänzten sich gut und es gab keine Zwistigkeiten zwischen ihnen. Jeder hatte seinen Aufgabenbereich und privat verfolgten sie ähnliche Interessen. So waren sie beide, wie ihr Vater, an kommunalpolitischer Arbeit interessiert und in den Gremien der Stadt als Stadtverordnete aktiv. Fritz Brülle war Mitglied der DVP (Deutsche Volkspartei) und zwei Jahrzehnte lang Major des Lippstädter Schützenvereins. Dort richtete er im Jahr 1902 das 75-jährige Jubiläum aus und wurde in diesem Jahr auch Schützenkönig. Rudolph hingegen war als Vertrauensmann für die Bielefelder Handelskammer tätig.

Teil 10: Die politische Lage wird schwieriger

In den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts ging es Deutschland wirtschaftlich sehr gut. In Lippstadt gehörten die Brüder Brülle zum Großbürgertum, welches im starken und wehrhaften Deutschland gefördert wurde.

Gleichzeitig war Deutschland auch ein Land der Gegensätze.Zu Anfang des Jahrhunderts entstand das Industrieproletariat, was bedeutete, dass es viele einfache Arbeiterfamilien gab, die gerade genug zum Leben hatten. In Lippstadt war hiervon nicht so viel zu spüren, da sie vor allem durch Landwirtschaft geprägt war. So besaßen viele Arbeiter einen kleinen Kotten und einen Acker, den sie nach der Arbeit noch bewirtschaften konnten.

Auch die Firma Brülle & Schmeltzer erlebte die Spannungen der Weltpolitik. So mussten auch sie ihre Tätigkeiten den Marktschwankungen anpassen und sich mit der in- und ausländischen Konkurrenz auseinandersetzen. Da die Lage unsicher war, glaubte man auch in Deutschland, man müsse ihr mit militärischer Hochrüstung begegnen. So wurde in Lippstadt 1902 an der Cappeler Landstraße die Artilleriewerkstatt gebaut. Diese war damals eine der modernsten Industriebauten der Stadt, die erheblich zur Aufrüstung beigetragen hat.

Lippstadt wächst weiter

In den Jahren vor dem Krieg wurde in Lippstadt kräftig gebaut. Aufgrund des raschen Bevölkerungswachstums mussten die beiden Krankenhäuser vergrößert werden. So errichtete das Katholische Krankenhaus auf dem großen und günstig gelegenen Gelände einen Neubau. Dieser wurde 1912 eingeweiht. Ein Jahr später, 1913, zog auch das Evangelische Krankenhaus aus den beengten Verhältnissen an der Alten Soeststraße in ein neues Gelände am Nordrand der Stadt. Somit verfügte Lippstadt über zwei geräumige Krankenhäuser, die eingebettet in Parks und Grünanlagen, gute Behandlungsmöglichkeiten boten.

Teil 11: Der 1. Weltkrieg beginnt

Bis dato hatte sich Lippstadt prächtig entwickelt. Und auch der Beginn des Krieges bescherte Industrie und Handel einen Aufschwung. Später hatte er jedoch auf fast allen Gebieten Stillstand und Rückgang zur Folge.

Friedrich Brülle genoss in seinen jungen Jahren eine hervorragende kaufmännische Ausbildung. Bei Ausbruch des Krieges 1914 befand er sich zur Ausbildung bei der Rheinisch-Westfälischen Bank in Hamm. Zuvor hatte er den Kaufmanns-Beruf 1910/11 in Düsseldorf bei der Getreide Commission AG erlernt.

In der Heimat ging das Leben bei Ausbruch des Krieges vorerst weiter wie bisher. Doch schon bald sahen sich die Kolonialwarengroßhandlungen vor Versorgungsschwierigkeiten gestellt, die nur durch staatlichen Eingriff geregelt werden konnten, da der Importhandel aus anderen Ländern der Welt weitgehend lahm gelegt war. Im weiteren Verlauf des Krieges übernahmen die Großhändler dann immer mehr die Rolle der Verteiler.

Auch die Selbstversorger auf dem Lande klagten aufgrund hoher Abgabepflichten von Landprodukten über Nahrungsmittelknappheit. Dies war jedoch nicht mit der Situation zu vergleichen, die in vielen Städten herrschte. Viele Güter, wie z.B. Schuhe und Kleidung, waren kaum noch zu bezahlen. Im Tausch gegen Lebensmittel war jedoch fast alles zu bekommen. Die Stimmung in der Bevölkerung sank, die Verbitterung gegenüber örtlichen Verwaltungsstellen und die Friedenssehnsucht stiegen.

Viele junge Soldaten zogen mit Begeisterung in den Krieg, von dem sie sich manche Abenteuer versprachen. Zu ihnen gehörte auch Friedrich Brülle, der sich mit 23 Jahren freiwillig zum Dienst meldete. Ende 1918 wurde er hoch dekoriert aus der Armee entlassen.

Die Bevölkerung wuchs aufgrund des Krieges, der steigenden Sterblichkeit und der sinkenden Geburtszahlen, nur noch wenig. Die Zeit des schnellen Wachstums war vorbei. 1916 geriet das deutsche Kaiserreich immer mehr in Bedrängnis. Der Krieg war aus Staatsmitteln kaum noch zu finanzieren. Daher wurden die Bürger aufgefordert, die Kriegskasse durch die Abgabe ihres Schmuckes, ihrer Wertsachen und ihres Goldes zu füllen. Damit sollte eine Inflation verhindert werden. Die Familie Brülle trug ihren Anteil, vor allem durch Kriegsanleihen, dazu bei.

Teil 12: Die Inflation auf dem Höhepunkt

Es war nun kaum noch möglich, von Tag zu Tag zu disponieren. Wer morgens Schubkarren voll Geld zur Bank fuhr, wusste nicht, ob er am Abend noch den gleichen Gegenwert dafür erhalten würde. So konnte ein Hering am Morgen noch mit 100.000 Mark, am Abend dagegen schon mit 250.000 Mark gehandelt werden.

Durch den Krieg wurde die Spartätigkeit bei den Banken angeregt. Überall dort, wo es wenig zu kaufen gab, wurde das Geld zu den Banken gebracht. Das Guthaben der Städtischen Bank belief sich 1919 auf fast 27 Millionen Mark. Mit der Sicherheit für das gesparte Geld sah es dagegen düster aus. Ein Drittel der Einlagen waren in Schuldverschreibungen des Reiches und der Länder (in Kriegsanleihen) angelegt und damit nach dem (verlorenen) Krieg fast wertlos.

Roggen als Zahlungsmittel

Angesichts der geringen Wertbeständigkeit des deutschen Papiergeldes weigerten sich die Landwirte, ihre Erzeugnisse gegen Geld abzugeben. Stattdessen entwickelte sich der Roggen zur Währung. Kaufleute und Handwerker berechneten ihre Leistungen nach Roggenmaß. So wurde Roggen zum Spekulationsobjekt und so kostbar, dass er der Weiterverarbeitung entzogen wurde.

In Lippstadt ging es nach dem Krieg wirtschaftlich bergab. Die Artilleriewerkstatt konnte nicht so schnell auf einen anderen Industriezweig umgestellt werden. Der Güterverkehr nahm stark ab und auch in den nächsten Jahren hielt diese rückläufige Bewegung an. Für die Fabriken und Handelsbetriebe der Stadt begann eine schwere Zeit.

Auch beim SB gab es Veränderungen. Um den Gesundheitszustand von Fritz Brülle, der bis dato die Geschäfte geleitet hatte, stand es nicht gut. Und so trat Friedrich Brülle 1918 in seine Fußstapfen. Am 1. Oktober trat auch sein zwei Jahre jüngerer Vetter Rudolph ins Unternehmen ein. Dieser hatte vor dem Krieg auch eine gute Ausbildung in Hannover, Lüneburg und bei der Deutschen Bank in Paderborn genossen. Zusammen übernahmen Friedrich und Rudolph die Geschicke der Firma.

Teil 13: Kleine Chronik der 2. Generation

Neben den persönlichen Geschehnissen der Familie Brülle und der Firma Brülle & Schmeltzer war auch in Deutschland und der Welt einiges los:

1888 - 1918

Das Wilhelminische Zeitalter1888Wilhelm II. wird Kaiser.Deutschland entwickelt sich zur größten Industriemacht auf dem Kontinent und verfügt über eine starke Armee. Die Städte dehnen sich aus; zwischen 1870 und 1910 wächst die Einwohnerzahl in Deutschland um fast 60 Prozent auf 65 Millionen Menschen.

1901

Am 14. Mai werden das neue Hebewerk bei Eikeloh und der Wasserturm an der Böckenförde Straße in Betrieb genommen. Fast alle Häuser sind jetzt an die zentrale Trinkwasserversorgung angeschlossen: Das Rohrnetz ist bereits mehr als 31 Kilometer lang. Auch an die Kanalisation sind mittlerweile alle Straßen und Gassen angeschlossen. Die Abwässer werden ohne Kläranlage in die Lippe und die Umfluten geleitet. Dadurch verschmutzt vor allem die südliche Umflut sehr, da sie die Fabrikwässer aufnehmen muss.

1906

Die Gasanstalt wird vom Ostwall bis weit vor das Südertor verlegt auf das heutige Gelände der Stadtwerke. Hier entsteht die neue Gasfabrik, in der Gas aus Kohle gewonnen wird.

1907

Deutschland wandelt sich von einem Agrarstaat in einen schnell wachsenden Industriestaat, in dem die Banken große Bedeutung gewinnen.Deutschland beginnt aufzurüsten: vor allem Kriegsschiffe werden gebaut.

1913

Als Kaiser Wilhelm II. sein 25-jähriges Thronjubiläum feiert, scheint Deutschland einer glänzenden Zukunft entgegen zu gehen. Die Wirtschaftslage ist glänzend, die Sozialgesetzgebung vorbildlich.

1919

Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg im Herbst 1918 wird am 9. November die Republik ausgerufen mit Bildung und Konstituierung eines Volks- und Soldatenrates.

Teil 14: Die 3. Generation

Friedrich Brülle und sein Vetter Rudolf Brülle jun. leiten die Firma durch stürmische Zeiten - Weimarer Republik, Wirtschaftskrise und Zweiter Weltkrieg.

Obwohl die schlimmen Kriegsjahre vorbei waren, brachte der Frieden nicht sofort die ersehnte Verbesserung. Die Menschen waren hoch verschuldet, die Inflation verschlang alle Ersparnisse. Ein großer Teil der Unternehmen und der Bevölkerung stand vor dem Nichts.


Deutschland geht es wirtschaftlich sehr schlecht

Die Inflation führte innerhalb kürzester Zeit zu einer Verelendung, die weit in die bürgerlichen Schichten hineinreichte. Über Generationen angesparte Vermögen waren nichts mehr wert und Beamtenpensionen / Renten reichten kaum noch für das Notwendigste. Häuser ehemals gut betuchter Bürger wurden zu Schleuderpreisen verkauft. Die Kindersterblichkeit nahm zu und in den Arbeiterfamilien herrschte Hunger.
Unter dieser wirtschaftlichen Not litten Handel und Handwerk. Da kaum noch Kaufkraft vorhanden war, waren die Preise in vielen Geschäftszweigen wieder auf den Vorkriegsstand gedrückt - der Reingewinn für den Handel wurde immer geringer. Konkurse und Vergleichsverfahren häuften sich. Und auch Brülle & Schmeltzer hatte ihren Tribut zu zahlen: etwa die Hälfte des bisher zusammengetragenen Vermögens ging verloren.


Derweil machte sich Fritz Brülle, der Seniorchef, der mittlerweile gesundheitlich stark angeschlagen war, Gedanken um den Fortbestand der Firma und eine Frau für seinen Sohn Friedrich. Dieser dachte jedoch überhaupt noch nicht ans Heiraten. Zuerst musste das Geschäft wieder aufgebaut werden. Jedoch war von den Bequemlichkeiten, auf die sich Handelsreisende vor dem Krieg verlassen konnten, nichts mehr übrig als Friedrich und Rudolf die Firma von ihren Vätern übernahmen. Die beiden waren zunächst auf Fahrrädern und Pferdewagen unterwegs, bis sich der kleine Opel "Laubfrosch" knatternd als Retter in der Not erwies.


Sie begannen 1923 die schwierige Aufbauarbeit mit elf Arbeitskräften. Und dank ihres Fleißes ging es nach den bitteren Kriegs- und Nachkriegsjahren langsam wieder bergauf mit der Firma. Ein Erlaubnisschein, datiert auf den 1. April 1924 gestattet dem Großkaufmann Friedrich Brülle "gemäß der Verordnung über Handelsbeschränkungen vom 13. Juli 1923 den Handel mit Lebens- und Futtermitteln, Kolonialwaren, Zucker, Salz, Hülsenfrüchten und landwirtschaftlichen Sämereien."

Die Büroräume wurden vergrößert. Die Beschränkungen des Geschäftsverkehrs mit dem Ausland waren gefallen und die geschäftliche Korrespondenz ging wieder in viele Länder rund um den Globus.

Friedrich Brülle heiratet Katharina Ferbert

Ob es an dem selbstverständlichen Umgang der Korrespondenz für das Saatengeschäft lag oder am Sammeln der Briefmarken und Postkarten aus jener Zeit, jedenfalls gingen Friedrich Brülle und seine Frau Katharina schon sehr bald nach ihrer Heirat 1926 auf Auslandsreisen. Beinahe jedes Jahr ein anderes Land und, für damalige Verhältnisse, sehr exotische Reiseziele:

  • 1929 Ragusa, Montenegro
  • 1931 Nizza und Monte Carlo
  • 1932 Taormina auf Sizilien
  • 1934 Gardone Riva
  • 1935 Ägypten und Palästina
  • 1937 Spitzbergen und Norwegen
  • 1938 England
Geschäftskorrespondenz

Der Krieg setzte den Reisen des Paares zunächst ein Ende. In den Fünfziger und Sechziger Jahren waren Friedrich und Katharina wieder in Europa, Afrika und Russland unterwegs.

Teil 15: 80 Jahre Brülle & Schmeltzer

Lippstadt leidet unter den Folgen des Ersten Weltkrieges

Ganz Lippstadt litt in diesen Jahren: Die "Deutschen Werke", Nachfolgeunternehmen der Artilleriewerkstatt, mussten stillgelegt werden. Die großen Werkshallen standen leer und verfielen. Der Platz, der für die Erweiterung der Fabrik abgeholzt worden war, wurde wieder aufgeforstet. Auch die Union und die Metallindustrie mussten ihre Belegschaft stark verringern, erwiesen sich aber als verhältnismäßig krisenfest. Die Brauereien Nies und Weißenburg schlossen sich zu einer Firma zusammen. Produziert wurde bei Weißenburg. Die alten Brauereigebäude an der Judenstr. (heutige Rathausstr.) wurden anderweitig genutzt. Gebaut wurde fast gar nicht mehr und für mittellose und obdachlose Bürger wurden Behelfsquartiere (Baracken) in der Nähe des Stadtwaldes und der Cappeler Landstraße gebaut. Dadurch wurde die Not aber nur noch deutlicher. Sowohl Wohlfahrtsamt als auch Fürsorge versuchten in den schlimmsten Fällen zu helfen. So wurde z.B. im Winter 1923/24 in der Wilhelmschule die erste größere Notküche eingerichtet. Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit verschärften die Situation aber noch weiter. Durch den Krieg und die lange schlechte Ernährungslage zeigten sich vor allem bei Kindern und Jugendlichen schwere gesundheitliche Schäden.

Es wird wieder gebaut

In den 20er Jahren änderte sich das Stadtbild nur unwesentlich. Das Baudenkmal für den Stadtgründer Bernhard II. wurde am Ende der Langen Straße enthüllt. Die Bauarbeiten hierfür hatten bereits vor dem Krieg begonnen, doch die Aufstellung wurde durch den Krieg verzögert. Nun wurde der Brunnen gleichzeitig auch Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.

Die Kreisverwaltung zog 1918 in einen Neubau an der Spielplatzstraße und die Reichsbank siedelte in einen großen Neubau Ecke Cappelstraße/Soeststraße um. Die Straßen wurden verbessert und die Lange Straße sowie einige Nebenstraßen erhielten eine Asphaltdecke.

Der Jahnplatz, ein städtischer Sportplatz mit drei Spielfeldern, entstand auf einem 7 Morgen großen Gelände. Nahe des Jahnplatzes entstand 1932 ein privates Freibad, welches nach dem 2. Weltkrieg von der Stadt übernommen wurde. Mit der Eröffnung des Freibades wurde die alte Badeanstalt an der Lippe Bootshaus und damit Übungsstätte für Kanusportler.

Auch die Krankenhäuser führten große und bedeutende Erweiterungsbauten aus. Für die Renovierung der Schulen fehlte der Stadt das Geld. Daher wurde nur das Katholische Lyzeum an der Fleischhauerstr. erweitert und damit zur modernsten Höheren Schule Lippstadt.

Geschäft voller Risiken

Der wirtschaftliche Erdrutsch von 1931, der Bankenkrach, der viele Unternehmen in den Ruin stürzte, bedeutete auch für Brülle & Schmeltzer einen erneuten Verlust von 10% des Vermögens. Ein sehr treuer und bemühter Mitarbeiter in dieser Zeit war Karl Köther. Er war als Prokurist tätig und neben den Inhabern wichtigste Führungskraft des Unternehmens. Friedrich und Rudolf Brülle übernahmen, neben ihrem erheblichen Arbeitspensum im eigenen Betrieb, noch ehrenamtliche Aufgaben in Fachverbänden und im Einkaufskontor Essen.

Braune Zeiten in Lippstadt

Im Jahr 1933 gab es in der Wirtschaft scheinbar einen Umschwung zum Besseren. Wie überall in Deutschland wurde auch in Lippstadt die Machtergreifung Hitlers durch einen Fackelzug gefeiert. Die Menschen hofften auf bessere Zeiten. Die hohe Arbeitlosigkeit, die wirtschaftliche Not und die politische Lage hatten einen Punkt erreicht, an dem den Menschen jede Veränderung recht war.

Schon rasch nach der Machtergreifung setzte auch tatsächlich ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Arbeitsbeschaffungsprogramme bescherten vielen Menschen wieder Arbeit und dringende Aufgaben der öffentlichen Hand wurden in Angriff genommen - städtische Häuser und Gebäude wurden repariert, was vor allem den Schulen zugute kam. Auch Handel und Handwerk überwanden den Stillstand.

Auch bei Brülle & Schmeltzer ging es in diesen Jahren bergauf. Die Verluste wurden aufgeholt und der Kundenkreis erweitert. So konnte im Jahr 1936 eine wesentliche Vergrößerung der Büroräume erfolgen. Inzwischen arbeiteten 31 Mitarbeiter für die Firma. In einer kleinen Feierstunde wurde in diesem Jahr auch das 80-jährige Bestehen der Firma gewürdigt. Nur vier Jahre später wurden an der Unionstraße zwei große Wohnblöcke für die Mitarbeiter gebaut.

Das Kaffee-Geschäft wurde nach Kräften ausgebaut. Man bediente sich immer mehr der Werbung und fuhr mit geschmückten LKW durch die Stadt, um Lippstadt Hausfrauen klarzumachen: "Feinschmecker trinken nur Kaffee dieser Schutzmarke."

Brülle & Schmeltzer hatte neben dem Kolonialwarenhandel zu dieser Zeit zwei große Schwerpunkte: Kaffee sowie Samen und Saaten.

Schützenbruder aus Leidenschaft

Friedrich Brülle war wie seine Vorväter begeistertes Mitglied des Lippstädter Schützenvereins. Jahrelang war Adjutant der Königin. Im Jahr 1937 schoss er den letzten Teil des hölzernen Vogels ab und wurde Schützenkönig.

Teil 16: Der 2. Weltkrieg

Eingriffe von Partei und Staat

In diesen Jahren änderte sich auch im Lippstädter Schulwesen einiges: Die bisherige Gliederung des Ostendorf-Gymnasiums in ein neun-klassiges Gymnasium und eine sechs-klassige Realschule wurde aufgehoben, die Schulzeit auf acht Jahre verkürzt, der Name "Gymnasium" durch "Oberschule für Jungen" ersetzt. Einschneidender wirkte sich das nationalsozialistische System auf die beiden höheren konfessionellen Mädchenschulen aus. Anfang August 1936 erklärte die Stadtverwaltung, die beiden Schulen zusammenlegen zu wollen und strich die Zuschüsse. Das katholische Lyzeum wurde in eine staatliche Oberschule umgewandelt, das evangelische Lyzeum löste sich auf.

Auch vor dem Lippstädter Vereinsleben machte die Gleichschaltung der Nazis nicht halt: Die beiden Schützenvereine im Stadtkern, "Handwerker" und "Bürger" mussten sich zusammenschließen und durften fortan nur noch ein Schützenfest an der Bellevue feiern.

Ab 1936 war Lippstadt wieder Garnisonsstadt: In den feuchten Wiesen des Lipperbruchs wurde mit hohen Kosten ein Flugplatz gebaut, der mit Kasernengebäuden, Hallen, Offiziers- und Unteroffizierswohnungen, einem Freibad und Wirtschaftsbetrieben ausgestattet war. Jagd- und Kampfflieger des Geschwaders Richthofen waren dort stationiert. An der Südstraße entstand etwas später ein zweites ausgedehntes Kasernengelände für eine Flakabteilung.

Beginn der Judenverfolgung

Schon unmittelbar nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler kam es zu ersten antijüdischen Gesetzen, die auch in Lippstadt umgesetzt wurden. So stand am 1. April 1933 im "Patriot" und der "Lippstädter Zeitung" ein Aufruf, in dem zum alleinigen Kauf deutscher Produkte, also dem Boykott jüdischer Geschäfte, aufgerufen wurde. Als im Jahr 1935 die so genannten Nürnberger Gesetze in Kraft traten, waren auch Lippstädter Juden von ihnen betroffen. In der Reichsprogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde in Lippstadt die Synagoge niedergebrannt und die jüdischen Geschäfte in der Stadt demoliert.

Als am 1. September 1939 der 2. Weltkrieg begann, waren von den 107 einst in Lippstadt lebenden Juden nur noch 52 geblieben. Anfang April 1942, kurz vor Beginn der Deportationen aus dem Kreis Lippstadt, lebten noch 18 Personen jüdischen Glaubens in der Stadt. Die meisten von ihnen waren Frauen, die in kriegswichtigen Betrieben arbeiten mussten. As auch diese deportiert wurden, gab es das jüdische Leben, das einst wie selbstverständlich die Stadt Lippstadt mitgeprägt hatte, nicht mehr.

Der Kaufmann Lehmann Sternberg lebte mit seiner Familie schon zu Zeiten des Peter Brülle am Südertor 5. Sein Sohn Oskar war für Brülle & Schmeltzer viele Jahre ein guter Nachbar, der beispielsweise seine Scheune als Unterstellplatz für den Fuhrpark zur Verfügung stellte. Oskar Sternberg selbst brauchte dieses Gebäude nicht: Er war Prokurist bei der WMI, aus der später die HELLA hervorging. Im Zuge der sogenannten "Arisierung der Wirtschaft" musste Oskar Sternberg 1938 sein Elternhaus, das Haus Südertor 5, an die Westfälische Landeseisenbahn zwangsweise verkaufen. Oskar Sternberg und andere Mitglieder seiner Familie wurden in Auschwitz ermordet.

KZ-Außenlager in Lippstadt

In Lippstadt gab es zwei Außenlager des KZ Buchenwald. Die bei weitem größte Häftlingsgruppe in den Lippstädter Außenkommandos stellten in Auschwitz ausgesonderte Jüdinnen aus Ungarn dar. Dieser Einsatz jüdischer KZ-Häftlinge in den Jahren 1944 und 45 fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Da die Häftlinge in der Rüstungsindustrie arbeiteten, war den Nationalsozialisten der Erhalt ihrer Arbeitskraft von Interesse. Inhaftierte berichten zwar von Misshandlungen durch das Wachpersonal, doch die meisten der 1167 nach Lippstadt gebrachten Frauen haben ihren Aufenthalt überlebt, vor allem wegen der rechtzeitigen Befreiung durch amerikanische und sowjetische Truppen. Das "SS-Kommando Lippstadt I" wurde im Juli 1944 auf dem Gelände der Lippstädter Eisen- und Metallwerke GmbH (LEM) eingerichtet. Es war von Beginn an als Rüstungskonzern geplant und kann als "nationalsozialistischer Musterbetrieb" bezeichnet werden. Das "SS-Kommando Lippstadt II" wurde im November 1944 in einem Nebenbetrieb der Westfälischen Metallindustrie AG (WMI, heute HELLA) eingerichtet. Die WMI, die traditionell Scheinwerfer herstellte, musste sich auf die Kriegsproduktion einstellen: Die Herstellung von Munition und Flugzeugteilen kam hinzu.

Die Hella war ursprünglich ein jüdisches Unternehmen: Der Direktor Sally Windmüller hatte 1892 Helene Sternberg geheiratet - genannt Hella. Hella war die Schwester Oskar Sternbergs, die mit ihm und ihrer Schwester Paula im Elternhaus am Südertor 5 aufwuchs. Nach seiner Frau Hella benannte Sally Windmüller 1908 ein zukunftsträchtiges Produkt der WMI, einen Acetylen-Scheinwerfer, "Hella". Nach 1945 wurde der Produktname zum Firmennamen, der somit bis heute in Lippstadt und aller Welt an den Namen Sternberg erinnert.

Der Großhandel wird zum Verteiler

Die Einwohnerzahl der Stadt war 1939 auf 21.409 angestiegen. Der Ausbruch des Krieges bedeutete für Brülle & Schmeltzer erneut eine große Umstellung: Wieder wurde ein Bezugsscheinsystem eingeführt. Dieses System bedingte eine fast völlige Betriebsumstellung im Kolonialwaren-Großhandel, dessen Verteilerfunktion nun wieder deutlich hervortrat. Aber nicht nur im marktwirtschaftlichen System, auch in der Diktatur und unter staatlicher Kontrolle wurde der Großhandel dringend gebraucht. In den ersten Septembertagen 1939 zeigte sich, wie der Krieg bis ins Kleinste geplant und vorbereitet worden war: Die Lebensmittelkarten waren bereits gedruckt, die Kaufleute hatten ihre Kundenlisten, die nicht kriegswichtigen Betriebe mussten schließen. Die beiden Krankenhäuser der Stadt wurde zu Reservelazaretten und mussten fast die Hälfte ihrer Betten der Wehrmacht zur Verfügung stellen. Im Park des Evangelischen Krankenhauses wurden zwei große Baracken errichtet, um alle Kranken und Verwundeten unterbringen zu können. Zeitweise mussten sogar einige Schulen als Notlazarette genutzt werden.

Teil 17: Einsatz im Unternehmen - und an der Front

Der Krieg forderte auch seinen Tribut unter den Mitarbeitern von Brülle & Schmeltzer: Erfahrene Leute wurden einberufen, viele kehrten nicht zurück.

In vielen Betrieben der Stadt machte sich schon bald ein dramatischer Mangel an Arbeitskräften bemerkbar. Maßnahmen der Behörden brachten für den Großhandel zusätzliche Verwaltungsarbeit. Für eine rationelle Arbeitsweise bei der Verteilung der Güter war es wichtig, alle Vorgänge unter einem Dach abzuwickeln. 1940 konnte das Haus Südertor 5 im Tausch gegen ein Lagerhaus von Brülle & Schmeltzer, das an die Gebäude der Westfälischen Eisenbahn grenzte, von der WLE erworben werden.

Friedrich Brülle war inzwischen in die Wehrmacht eingerückt. Er wusste die Firma durch seinen Vetter Rudolf, der seit dem ersten Weltkrieg durch ein Kriegsleiden gehbehindert war und später im Rollstuhl saß, und durch den Prokuristen, Herrn Vorderbäumen, gut vertreten. Die Herren Heike und Anton Schröder waren ebenso große Stützen im Geschäft.

1945 geriet Friedrich Brülle als Hauptmann in die Gefangenschaft in Staumühle, östlich von Paderborn. Von dort konnte er fliehen und nach einem langen Fußmarsch Lippstadt unversehrt erreichen.

Schüler als Flakhelfer

Die Schüler aller Schulen wurden während der Kriegsjahre immer wieder zum Kriegshilfsdienst herangezogen, zur Kartoffelkäfer-Suchaktion, zur Erntehilfe, zur Aushilfsarbeit in wehrwirtschaftlich wichtigen Betrieben und zu Sammlungen von Geld, Bekleidung, Altmaterial und Heilkräutern. Unter ihnen war auch Gerhard Brülle, der Sohn von Friedrich und Katharina Brülle, der bei Ausbruch des Krieges 12 Jahre alt war.

Spätestens nach der Niederlage in Stalingrad im Februar 1943 waren die Verluste nach vier Jahren Krieg so groß, dass die "Ausfälle aufgefüllt" werden mussten. An der Heimatfront wurden vor allem Flaksoldaten abgezogen und die Lücken mit älteren Schülern geschlossen, den 15- 17jährigen der Klassen 5 bis 7 der Oberschulen. Gerhard Brülle kam am 1. Oktober 1943 zur 3. leichten Batterie 943 auf den Fliegerhorst in Lippstadt. 18 Stunden wöchentlich wurde Schulunterricht erteilt - auf fünf Tage verteilt; dazu kamen die Lehrer zum Fliegerhorst. In Zeiten der Benzinknappheit erreichten die Lehrer den Fliegerhorst mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Zwischen Drill und Gefechtseinsätzen machten die Schüler Hausaufgaben und schrieben Klassenarbeiten. Im Juli 1944 bekamen sie ihre Versetzungszeugnisse. Im November / Dezember 1944 leistete Gerhard Brülle im RAD (Reichsarbeitsdienst) eine vormilitärische Ausbildung in Korsen an der schlesischen Grenze ab.

Die Stadt überlebt den Krieg ohne größere Schäden

Vor Luftangriffen blieb der Stadtkern während des Krieges verschont. Der Fliegerhorst am Lipperbruch aber wurde mehrere Male angegriffen - vor allem aber bei einem Großangriff am 19. April 1944 - und dabei erheblich zerstört. Gerhard Brülle und seine Klassenkameraden erlebten diesen Angriff mit. Erst kurz vor Ende des Krieges fielen im Süden der Stadt in unmittelbarer Nähe zum Südertor - Hasenfang und Kampstraße - einige Bomben, die Häuser zerstörten und auch Menschenleben forderten. Im Vergleich zu anderen Städten kam Lippstadt aber glimpflich davon. Einige Kirchenglocken wurden eingeschmolzen. Drei alte Glocken der Marienkirche wurden nach Lünen geschafft, um dort in den Schmelzofen zu wandern, darunter die Bürgerglocke. Nur durch einen Zufall blieb sie erhalten: Ein Lippstädter entdeckte sie kurz vor Kriegsende auf einem Schrottplatz einer Gießerei in Lünen und sorgte unmittelbar nach der Kapitulation für ihren Heimtransport.

Teil 18: Fremdarbeiter schützen vor Plünderungen

Am 1. Januar 1945 zählte Lippstadt, einschließlich der Fremdarbeiter, die amtlich gemeldet werden mussten, 25.886 Einwohner. Die letzten Kriegstage waren in Lippstadt, wie überall in Deutschland, von großer Unruhe und Nervosität geprägt. IM März 1945 füllte sich die Stadt immer mehr mit Flüchtlingen aus Ost und West. Fast jede Familie musste einige der Vetriebenen aufnehmen, die im Krieg ihre Heimat verloren hatten. Auch im Haus am Südertor der Familie Brülle wurden zwei Familien untergebracht. Während der Festgottesdienste am Ostersonntag, dem 1. April 1945, kam die Nachricht, dass amerikanische Panzer den Nordwestrand der Stadt erreicht hatten. Amerikanische Truppen kamen aus Richtung Beckum und Liesborn einerseits - und Paderborn entlang der Lippe andererseits - und vereinigten sich hier. In Lippstadt wurde von den deutschen Truppen kaum Widerstand geleistet. Am Nachmittag hatten die Amerikaner die Stadt eingenommen. In den nächsten Tagen kam es in Lippstadt an vielen Stellen zu Plünderungen und Verwüstungen. Kein Wunder: Viele Kriegsgefangene und Fremdarbeiter, die über Jahre schlecht behandelt worden waren, ließen nach der Befreiung ihrer Wut freien Lauf. Vor allem die Schnapsbrennereien in der Stadt waren das Ziel von Plünderern - aber auch Brülle & Schmeltzer mit seinem Lebensmittellager war gefährdet. Die Angestellten versuchten in diesen Tagen in der Privatwohnung von Rudolf Brülle, die über der Firma lag, einige Lebensmittelvorräte zu verstecken. Bei Brülle & Schmeltzer arbeiteten in den Jahren 1943/45 französische und holländische Zwangsverpflichtete.

Diese ausländischen Mitarbeiter bekamen betriebseigene Kleidung, Nahrung und Wohnung. Sie hatten einen Dienstvertrag mit festgeschriebenen Löhnen und sonstigen Vereinbarungen. Sie schickten ihren Lohn per "Heimatüberweisung" in ihre Heimatländer. Der Unterschied zwischen verdientem Lohn und Transferbetrag wurde in bar ausgezahlt: allerdings nicht über 30 Mark, um die Kaufkraft gering zu halten.

Im Dienstvertrag unter Punkt 5 wurden der Urlaub und die Familienheimfahrt geregelt - nach einem Jahr 10 Tage Heimaturlaub: Fahrtkosten bis zur Grenze bzw. von der Grenze wurden ausgezahlt. Die Firma zahlte sogar für die dienstverpflichteten Arbeiter eine Krankenversicherung. Am Kriegsende verblieben vier Franzose. Sie wohnten in der Firma und haben diese vor Plünderungen geschützt.

Die amerikanischen Besatzer sorgten rasch für Ruhe und geordnete Verhältnisse in Lippstadt: Beide Krankenhäuser wurden beschlagnahmt, Ärzte und Pflegepersonal darin interniert. Die Kasernen im Norden und Süden der Stadt, das Evangelische Gemeindehaus und das Kolpinghaus, Schulen und größere Gebäude waren als Notunterkünfte eingerichtet. Für viele Monate war deshalb der Unterricht in den Schulen unmöglich. Ein Polenlager wurde in der Nikolaischule eingerichtet. In der Kaserne in der Südstraße wurden die von Hitler verschleppten Fremdarbeiter aus Russland zusammengeführt und später in ihre Heimat transportiert. Immer neue Flüchtlinge und freigelassene Fremdarbeiter kamen in die Stadt - ihre Zahl war vermutlich ein Mehrfaches der Einwohnerzahl. Alle Betriebe und Fabriken hatten in den ersten Wochen nach dem Krieg geschlossen - zum Teil aus Rohstoffmangel. Trotzdem er Plünderungen war die Versorgung mit Lebensmitteln nicht ernsthaft gefährdet, die Zuweisungen wurden in dieser Zeit allerdings erheblich gekürzt. Wie nach dem Ersten Weltkrieg auch erwies es sich als günstig, das der Anteil der Landwirtschaft an der städtischen Wirtschaft groß war und Lippstadt in einer ländlichen Umgebung lag. Ein großes Problem in den ersten Monaten nach dem Krieg war die Wohnungsnot. Die alliierten Soldaten beschlagnahmten ganze Straßenzüge; überall in der Stadt gab es Übergangsheime. Der Fliegerhorst im Lipperbruch war nach Kriegsende völlig zerstört, aber diese Trümmerstädten wurden dennoch zur Heimat für Flüchtlinge, die sich notdürftig in den Kellern und noch einigermaßen bewohnbaren Räumen der Kaserne eingerichtet hatten. Hier entstand allmählich ein ganz neuer Stadtteil. In den Jahren zwischen 1946 und 1958 wurden in Lippstadt fast 3000 Wohnungen gebaut, das macht knapp ein Drittel des damaligen Stadtgebietes aus.

Für die Schulkinder in Lippstadt begann Ende 1945 wieder der Unterricht. Im Sommer 1945 kehrten die Schwestern in das ehemalige Lyzeum zurück und begannen mit dem Aufbau der Marienoberschule. Im Oktober des gleichen Jahres wurde beschlossen, auch ein Evangelisches Mädchengymnasium aufzubauen.

Teil 19: Das Unternehmen wird ein zweites Mal in diesem Jahrhundert aufgebaut

Nach dem Krieg standen Friedrich und Rudolf Brülle zum zweiten Mal vor riesigen Problemen. Wie vor mehr als zwanzig Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, mussten die beiden Vettern das Unternehmen wieder aufbauen. Das Wirtschaftsleben kam sehr langsam wieder in Gang, es fehlte an allem. Nach Kriegsende vergingen einige Wochen, ehe der Firma ein Lastwagen zugeteilt wurde, dem wenig später ein zweiter folgte. Benzin allerdings war ständig knapp. In den ersten Nachkriegsjahren war der Firma - wie allen Großhändlern - ein fest umrissenes Liefergebiet vorgeschrieben. Die Begrenzung brachte es mit sich, dass die Firma fremde Kundschaft aufnehmen und einen Teil der eigenen Kunden abgeben musste. Die Konkurrenten I.D. Epping und Brülle & Schmeltzer, deren Absatzgebiete sich zum Teil überschnitten, haben sich in jeder Hinsicht unterstützt. Man half sich mit Waren aus und belieferte die Kunden der nun "Schwesterfirma", wenn sie an der Strecke der eigenen Tour lagen. Trotz der großen Schwierigkeiten, die sich der Warenbeschaffung und Lagerung in den Weg stellten, ging es doch weiter. In den Notjahren 1947/48 wurde sogar das alte Lagerhaus umgebaut und ein Lagerhausneubau errichtet. Die drei Nachkriegsjahre bis zur Währungsreform nutzten die Lippstädter, die Verhältnisse so gut es ging zu normalisieren und die wichtigsten anstehenden Aufgaben zu erfüllen Noch im Jahr 1949 waren etliche Güter bezugsscheinpflichtig; das geht aus einigen maschinengeschriebenen Rechnungsbögen von Brülle & Schmeltzer an den Stirper Kaufmann Theodor Frickenstein hervor. Zu diesen bezugsscheinpflichtigen Lebensmitteln gehörte beispielsweise Schokolade, Kandis, Puderzucker, Nudeln, Puddingpulver, Haferflocken, Bohnen und Zwieback.

Anschluss an deutschen und internationalen Handel

Brülle & Schmeltzer fand wieder Anschluss an den deutschen und später auch den internationalen Handel. Parallel mit der stetigen Aufwärtsentwicklung lief auch der organisatorische Aufbau. Am 21. Juni 1948 erfolgt für die deutsche Wirtschaft einer der wichtigsten Schritte für den Neuaufbau: Die Währungsreform. Sie brachte den Lippstädtern erneut große Verluste. Wie groß das Ausmaß tatsächlich war, zeigten die Bilanzen der Lippstädter Volksbank: Die letzte Reichsmarkbilanz am 20. Juni 1948 wies eine Summe von mehr als 23 Millionen Reichsmark aus, die Eröffnungsbilanz am nächsten Tag dagegen nur etwas mehr als eine Million DM. Über 20 Millionen Mark an Ersparnissen und Kapitaleinlagen verfielen von einem Tag zum anderen. Jeder Bürger erhielt eine "Kopfquote" von 40 Mark, einige Monate später weitere 20 Mark. Am nächsten Tag entdeckten die verblüfften Stadtbummler in Lippstadt ein bis dahin unvorstellbares Warenangebot. Die Schaufenster waren voll, die Mangelwirtschaft über Nacht verschwunden.

Große Herausforderungen durch Währungsreform

Die Währungsreform stellte die Firma Brülle & Schmeltzer erneut vor große Herausforderungen, die glücklicherweise gemeistert werden konnten. Die D-Mark zog allmählich den Abbau des Bewirtschaftungssystems nach sich, die Marktwirtschaft setzte sich durch. Das Unternehmen knüpfte wieder an die Vorkriegszeit-Geschäftskontakte an - und gewann neue hinzu. Die Belebung, die von den wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung ausging, brachte dem Kolonialwarenhandel seine frühere Stellung zurück. Auch die Beschränkungen im Verkehr mit dem Ausland fielen, nachdem die Liberalisierung des Warenaustausches angelaufene ar. Bald reichten die Geschäftsverbindungen der Firma wieder über die ganze Welt. 1951 wurde das Haus Südertor 5 abgebrochen, um Platz für zusätzliche Garagen und Hofraum zu gewinnen.

Im gleichen Jahr trat Gerhard Brülle am 17. Juni im Alter von 24 Jahren als persönlich haftender Gesellschafter in die Firma ein. Seine Jugend glich der vieler anderer junger Männer seines Jahrgangs: Notabitur während des Krieges in Lippstadt, Luftwaffenhelfer, Arbeitsdienst. Gerhard Brülle wurde zur Wehrmacht nach Hamm eingezogen und geriet dort im März 1945 in Kriegsgefangenschaft. Nach einigen Stationen war er in Frankreich in Lauras in der Provence angekommen, wo er als Gärtner im "Grand Jardin" bei Joseph Feneli arbeitete. Erst im März 1947 kehrte er von dort nach Lippstadt zurück. Eine enge Freundschaft zwischen Joseph, seiner Familien vielen Einwohnern von Lauris ist geblieben, was häufige Reisen bis heute unterstreichen.

Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg holte Gerhard Brülle 1948 in Lüdinghausen das Vollabitur nach. Es folgte eine zweijährige Lehre im väterlichen Betrieb. Anschließend volontierte der junge Mann zwei Jahre: Bei der Firma Ernst Rackerten, Importeur für Kolonialwaren in Hamburg, bei Hans von Feldmann, Kaffee-Importeur in Bremen und schließlich bei der Firma Wilhelm Butter, Lebensmittel-Großhandlung in Düsseldorf. Außerdem kam er in den Genuss einer Spezialausbildung beim Staatsinstitut für Angewandte Botanik in Hamburg. Aus dieser Zeit existieren zwei dicke Ordner von Korrespondenz zwischen Friedrich Brülle und seinem Sohn Gerhard. Nahezu jeden Tag wurde über alle geschäftlichen Belange geschrieben - in dieser Generation mit der Schreibmaschine.

Kleines Nachkriegsglück im Alsensaal

Klusetor 34 - das ist heute die Anschrift der Seniorenresidenz "Haus am Ostwall". Mitte des 19. Jahrhunderts entstand dort in in einem schmucken Gebäude die Restauration Alsen von Wilhelm Sommerkamp.

Im Lauf der Jahrzehnte, vor allem in den Kriegsjahren, hatte das Gebäude stark gelitten. Nach dem Krieg und seinen Entbehrungen hungerten die Lippstädter wieder nach kulturellen Veranstaltungen. Ein städtischer Kultursenat war gebildet worden, der sich um die Organisation der verschiedensten Veranstaltungen kümmern sollte. Inzwischen gehörte das Gebäude der der Firma Voigt, die es als Lager für Seile nutzte. Auf der Suche nach einem geeigneten Raum für kulturelle Veranstaltungen trat die Stadt an die Firma Voigt heran mit der Bitte, diesen Raum für ein Theater in Lippstadt zur Verfügung zu stellen.

Der Wunsch wurde erfüllt, und so konnte 1946 schließlich ein eigenes festes Theater gegründet werden. Nach der Renovierung gab es Probebühnen, Künstlerzimmer und Wandelgänge, die geschmackvoll eingerichtet waren. Der Alsensaal war so durch die Gründung des Neuen Theaters zu einer Art Stadttheater geworden, und für kurze Zeit erlebten die Lippstädter hier kulturelle Sternstunden mit namhaften Schauspielern wie Elisabeth Flickenschild, Gustaf Gründgens und Heinz Erhard. Dass solche "Stars" nach Lippstadt in die Provinz zu Auftritten anreisten, kam nicht von ungefähr: Der noch immer herrschende Lebensmittelmangel wirkte sich in den Großstädten stärker aus als in den ländlichen Gegenden, so dass Schauspieler oft Arrangements in der Provinz vorzogen.

Der Musikverein, dessen Arbeit nach 1940 total geruht hatte, musste wieder neu aufgebaut werden. Das Notenmaterial war Opfer der Nachkriegswirren geworden. Doch schon im November 1945 veranstaltete das Orchester ein erstes Konzert: der Chor trat in der Passionszeit 1946 nach mehrjähriger Pause wieder an die Öffentlichkeit.

Aber schon nach drei Jahren Spielzeit war es vorbei mit den Brettern, die in Lippstadt für diese Nachkriegsjahre die Welt bedeuteten. Das Theater meldete 1948 Konkurs an. Die Lippstädter mussten in Zukunft auf diese besonderen Aufführungen verzichten, aber die Firma Voigt bekam ihr altes Lager zurück.

Auch die Familie Brülle hat die Aufführungen in dieser ansonsten "kulturlosen" Zeit sehr genossen.

Teil 20: Chronik der 3. Generation

Die wichtigsten Daten der Familie Brülle und der Firma Brülle & Schmeltzer

1919 Friedrich Brülle tritt am 1. Januar 27-jährig in die Firma ein; sein Vetter Rudolf folgt ihm am 1. Oktober

1923 Seniorchef Fritz Brülle stirbt

1926 Friedrich Brülle heiratet Katharina Ferbert

1927 Gerhard Brülle wird geboren

1928 Rudolf Brülle stirbt am 31. Dezember

1936 Die Büroräume werden wesentlich erweitert, das 80-jährige Bestehen wird gefeiert

1940 Tausch des Hauses Südertor 5 mit dem Lager von Brülle & Schmeltzer Südertor 8 mit der Westfälischen Landeseisenbahn; Bau der Wohnhäuser für Mitarbeiter in der Unionstraße

1943 Der langjährige Prokurist Karl Köther stirbt

1947 Neubau eines Lagerhauses und Umbau des alten Lagers

Was sonst noch geschah

1918 - 1923

Nach Deutschlands Waffenstillstandsgesuch muss Kaiser Wilhelm II. zurücktreten, Friedrich Ebert (SPD) wird Reichskanzler. Deutschland wird Republik. Das Land muss an die ehemaligen Gegner hohe Reparationszahlungen leisten und drastisch abrüsten. Ein Fünftel des deutschen Reichsgebietes geht verloren.

1923

Gustav Stresemann wird Reichskanzler und führt im November die Rentenmark ein. Sie stoppt die Inflation, ein Aufschwung beginnt, die Zahl der Arbeitslosen sinkt. Es beginnen die Goldenen Zwanziger: Die Menschen atmen auf, ihr Geld ist wieder etwas wert. In den Städten will man das Leben nach langen Kriegs- und Revolutionsjahren endlich genießen.

1925

Paul von Hindenburg wird Reichspräsident. Er ist ein ehemaliger General des Kaiserreichs und Anhänger eines autoritäten Systems.

1926

Erste Lippstädter Herbstwoche

1929

Der 29. Oktober geht als "Schwarzer Freitag" in die Geschichte der New Yorker Börse ein. Innerhalb weniger Stunden werden Millionäre zu Bettlern. Auch für Deutschland bedeuten die Vorgänge in New York eine Katastrophe. Das Land hat die Nachkriegskrise nur durch die Aufnahme hoher ausländischer Kredite auffangen und teilweise überwinden können. Der Börsencrash bringt die US-Banken in Zahlungsprobleme. Sie rufen ihre Kredite zurück. Deutschland bringt der Abzug des ausländischen Geldes in den kommenden drei Jahren in eine enorme Liquiditätskrise.

1931

Die Arbeitslosen-Zahlen steigen: 1931 sind 5,7 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos, ein Jahr später mehr als sechs Millionen. Neues Elend macht sich breit: Die Armenküchen, die Suppe und Brot austeilen, sind überlaufen.

1929 - 33

1929 gründet sich in Lippstadt eine Ortsgruppe der NSDAP. AM 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler als Führer der NSDAP zum Reichskanzler ernannt, die Bevölkerung Lippstadt jedoch wählt konservativ, nämlich die etablierte Zentrumspartei.

1933 / 34

Hitler treibt seine Politik der Gleichschaltung des öffentlichen Lebens voran. Davon sind auch in Lippstadt viele Organisationen und Vereine betroffen - ob Industrie, Kultur, Sport, Handel oder Handwerk - kein Bereich, der nicht vom Staat kontrolliert wird.

1938

Der Stadt Lippstadt wird am 10. Juni das Recht zur Führung eines Stadtwappens verliehen. Es zeigt eine rotgezinnten Turm mit geöffnetem Tor und die rote Lipperose. Hitler erklärt Österreich, die Tschechoslowakei und das Sudetenland zum "Großdeutschen Reich".

1939 - 45

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges ändert sich die industrielle Ausrichtung Lippstadt. Im Vordergrund der Produktion steht jetzt die Rüstungsproduktion, bei der auch Zwangsarbeiter beschäftigt werden. Wie überall in Deutschland werden viele Männer aus Lippstadt im Militärdienst eingesetzt.

1945

Am 1. April wird Lippstadt den einmarschierenden US-Truppen nahezu unversehrt übergeben. Deutschland erlebt eine Wanderungswelle nie dagewesenen Ausmaßes: Aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien und dem Sudetenland strömen Millionen Flüchtlinge in den Westen. Hinzu kommen 700.000 Überlebende aus Konzentrationslagern und 8 bis 10 Millionen Fremdarbeiter, die nach Deutschland verschleppt worden waren und jetzt durch das Land ziehen. Der Menschenstrom verschärft die Ernährungslage und Wohnungsnot. Deutschland wird in vier Besatzungszonen aufgeteilt: Nordrhein-Westfalen fällt den Briten zu.

1947

Die Deutschen haben sich den Anweisungen der Besatzungsmacht zu fügen: Die Ämter werden wieder arbeitsfähig gemacht, die Polizei aufgebaut, Schulen öffnen ihre Türen. Auch die ersten Zeitungen erscheinen, die Menschen entdecken eine kulturelle und intellektuelle Welt, die ihnen lange verschlossen geblieben ist.

1948

Jakob Koenen wird Bürgermeister in Lippstadt. Währungsreform

1949

Die Bundesrepublik wird gegründet. Konrad Adenauer wird der erste Bundeskanzler.

1950

Am 1. Mai fällt die letzte Lebensmittelrationierung weg. Durch Subventionierung des Agrarmarktes werden die Lebensmittelpreise niedrig gehalten. Der beginnende Koreakrieg setzt eine Hochkonjunktur in Gang, die der deutschen Exportwirtschaft zugute kommt. Hinzu tritt eine allgemeine Liberalisierung des Welthandels.

Teil 21: Willkommen in der 4. Generation

Gerhard Brülle baut im Wirtschaftswunderland den Großhandel aus, steigt ins Einzelhandelsgeschäft mit den Supermärkten und Warenhäusern ein und gründet gleichzeitig den Cash-Carry-Großhandel.

Als Gerhard Brülle am 17. Juni 1951 24-jährig als persönlich haftender Gesellschafter in den väterlichen Betrieb eintrat, hatte das Unternehmen sich Schritt für Schritt von den Rückschlägen des Krieges erholt. Der Saatenhandel und auch das Geschäft mit der eigenen Kaffeerösterei entwickelten sich gut.

Kakao und Kornkaffee waren wichtige Artikel, während der Bohnenkaffee noch in kleinen Mengen angeboten wurde. Das änderte sich schon sehr bald. Brülle & Schmeltzer hatten einen Stand mit Brülle-Kaffee auf einer kleinen Wirtschaftsmesse in Lippstadt am Jahnplatz, was zu der Zeit noch eine Besonderheit war. Rohkaffee war wieder zu bekommen, der große Röster ständig in Betrieb, und eine Neugestaltung der Kaffee-Eigenmarke war eine der ersten Aufgaben des Juniors.

Der deutsche Handel hatte sich nach der Währungsreform 1948 rasant entwickelt. Filialisten, wie Kaufhof und Horten, die bereits vor und während des Zweiten Weltkrieges existierten, fingen mit etwa einem Zehntel ihrer ursprünglichen Verkaufsfläche wieder an und machten in den Nachkriegsjahren gute Geschäfte. Kein Wunder! Alles wurde gebraucht, schon im Krieg waren viele Waren knapp gewesen. Damals begann der Konzentrationsprozess im Handel. Neben den Filialisten gab es viele kleinere Unternehmer, die sich jedoch immer weniger behaupten konnten.

Der Großhandel wird ausgebaut

Mit Gerhard Brülle begann 1951 eine Etappe mit neuen Herausforderungen. Gab es in den vergangenen 100 Jahren fast nur den konventionellen Großhandel, mit dem Brülle & Schmeltzer gro0 geworden war, so wurde es in den folgenden Jahren erforderlich, den Weitblick für eine neue Dimension zu haben und Anschluss an die Cash & Carry-Entwicklung und mögliche Vertriebsformen in Form von Supermärkten und großen Warenhäusern nicht aus den Augen zu verlieren.

Auf der Suche nach Marktlücken

Anfang der 50er Jahre wurden überall im Handel Marktlücken gesucht. 1955 fand Brülle & Schmeltzer eine solche Nische: Die Lippstädter Weingroßkellerei und Likörfabrik Fritz Cobet in Lippstad, Besitzer Franz Wetekamp. Sie wurde dem Unternehmen angegliedert, die vielen neuen Artikel rundeten das Sortiment ab. Aus alten Rechnungen dieser Zeit geht hervor, dass die Firma Cobet nicht nur Liköre und Spirituosen herstellte, sondern sie auch u.a. auf den ostfriesischen Inseln und im Harz verkaufte. Diese Tradition übernahm Brülle & Schmeltzer und führte sie bis zum Ausscheiden von Alfred Wiese, der 1944 in die Firma Brülle & Schmeltzer eingetreten war, fort. Wiese holte über seine Pensionierung im Jahr 1999 hinaus noch Aufträge für die Firma Cobet ein. Aus dem vielfältigen Programm von Spirituosen der Firma Cobet ist bis heute der begehrte Josephs-Tropfen erhalten geblieben, der fast überall im Bundesgebiet vertrieben wird. Dieser milde Magenlikör ist heute noch das Aushängeschild von Cobet.

Teil 22: 100 Jahre Brülle & Schmeltzer

1956 konnte Brülle & Schmeltzer dieses besondere Jubiläum feiern. Allerdings konnte die Firma räumlich nicht weiter expandieren. Das zur Verfügung stehende Gelände war bis ins Kleinste ausgenutzt. Durch Um- und Anbauten konnten alle Abteilungen untergebracht werden, die für das Unternehmen im Jubiläumsjahr wichtig waren.

Der Konzentrationsprozess im Handel beginnt

Im beginnenden Konzentrationsprozess liegt der ein wesentlicher Grund für die Gründung von Kooperationen, die zunächst überwiegend dazu dienen sollten, die Warenbeschaffung gemeinsam zu verhandeln und über die Konzentration der Umsätze bessere Einkaufskonditionen zu erzielen. Die meisten Geschäfte schlossen sich solchen größeren Organisationen an.

Es bildeten sich zwei verschieden Organisationsstrukturen heraus: Genossenschaften und Freiwillige Handelsketten. Die beiden Formen unterschieden sich dadurch, dass die Genossenschaften - wie Edeka, Rewe und Coop - von Einzelhändlern gegründet wurden, die Freiwilligen Handelsketten aber von Großhandelsunternehmen. Sie nannten sich A & O, Spar und Fachring (später IFA). Dem Fachring trat die Firma Brülle & Schmeltzer im Jubiläumsjahr 1956 bei. Brülle & Schmeltzer wurde IFA-Zentrale Südost-Westfalen e.V. mit Sitz in Lippstadt. Es wurde ein Vorstand gebildet mit Gerhard Brülle als Vorsitzendem und gewählten Einzelhändlern aus den verschiedenen Absatzgebieten. Vorstandssitzungen der Arbeitsgemeinschaft wurden mehrmals im Jahr in der Zentrale in Lippstadt durchgeführt. Bei diesen Treffen wurden alle Bereiche der Zusammenarbeit beleuchtet und die weitere Entwicklung besprochen. Auf diese Weise konnten der Groß- und Einzelhandel Erfahrungen austauschen.

Seit seinem Eintritt in das Unternehmen befasste Gerhard Brülle sich mit dem Großhandel, während Friedrich Brülle für das Saatengeschäft zeichnete.

Rudolf Brülle stirbt 1958

In dieser Zeit der wichtigen Entscheidungen starb 1958 Rudolf Brülle. Mit ihm endete sein Zweig der Familie Brülle, so dass fortan nur noch die Gesellschafter Friedrich Brülle, sein Sohn Gerhard und dessen Kinder Allan und Friedel die Firmengeschichte prägen Weden. Mit dem Tod von Rudolf Brülle gingen viele Unterlagen, Fotos, private und geschäftliche Briefe verloren, so dass von den beiden Generationen Rudolf Brülle nur noch wenig dokumentiert werden kann.

Teil 23: Aus Fachring wird IFA

Ludwig Welling gründete gemeinsam mit Werner Dabringhaus, dem Eigentümer der Großhandlung Otto Dabringhaus in Wuppertal, 1956 den Fachring. Dabringhaus übernahm von Anfang an die Position des Präsidenten, Welling hatte die Position des Geschäftsführers inne. Ausgewählte Großhandelsunternehmen traten dem Fachring bei. wobei darauf geachtet wurde, dass sich deren Einzugsgebiete nicht überschnitten. Die stärkste Region war der Westen Deutschlands mit seinem regionalen Büro in Lünen. Im Jahre 1960 benannte sich der Fachring in die "IFA", die "internationale Fachring Arbeitsgemeinschaft" um - man wollte sich einem grenzüberschreitenden Handel im zusammen wachsenden Europa öffnen.

Als Brülle & Schmeltzer im Jahr 1956 dem Fachring beitrat, nahm Gerhard Brülle zu dem Unternehmen Otto Dabringhaus in Wuppertal Kontakt auf, um eine Kooperation im Rahmen der Freiwilligen Handelskette zu prüfen. Bei einer Gesellschafter-Versammlung der IFA 1958 in Meran lernte er die Tochter Helga Dabringhaus persönlich kennen.

Helga Dabringhaus, die in der Firma ihres Vaters als Sekretärin arbeitete und häufiger über Korrespondenz mit Brülle & Schmeltzer zu tun hatte, begleitete ihren Vater. Gerhard Brülle und Helga Dabringhaus blieben in Verbindung, und nach weiterer Ausbildung von Helga, die zuletzt am amerikanischen Konsulat in Frankfurt arbeitete, heirateten Gerhard und Helga Ende 1962 in Frankfurt.

Bereits 1953 hatte Gerhard Brülles jüngere Schwester Liese den Studienrat Dr. Hellmut Linden geheiratet, der bis zu seiner Pensionierung Oberstudiendirektor am Städtischen Gymnasium in Erwitte war. Die Tochter Sabine wurde 1970 geboren.

Saaten und Kaffee werden zur Nebensache

Ende der Fünfziger Jahre lag der Schwerpunkt von Brülle & Schmeltzer bereits in der Belieferung der angeschlossenen Einzelhändler mit Lebensmitteln. War kurz nach dem Krieg noch das Saatengeschäft der wichtigste Geschäftsbereich gewesen, so traten jetzt die Saaten und auch die eigene Kaffeerösterei immer mehr in den Hintergrund. Friedrich Brülle war neben seiner Tätigkeit im Saatengeschäft immer informiert über alle Geschäftsabläufe. "Übernimm Dich nicht, Junge", das war der Satz des Vaters an den Sohn. Doch in die Belange der Firma griff der Senior in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens nicht mehr ein.

Marketing und Werbung ab 1956

Zur Erstellung von Werbung und Informationsmaterial wurde 1956 das Fachring-Werbeatelier in Osnabrück gegründet, an dem auch Brülle & Schmeltzer beteiligt war. Hier wurde für alle angeschlossenen Einzelhändler alles Wesentliche gedruckt und über den Großhändler weitergeleitet. Die Handzettelwerbung, Plakate, besondere Aktionen sowie die wöchentlich erscheinende "Ringpresse" gehörten zum Programm. Inzwischen - die Zeitung hieß nun IFA-Kurier - entwickelte sich das Atelier dermaßen gut, dass immer mehr Unternehmen sich dieser Dienstleistung bedienten, auch diejenigen, die nicht zur IFA gehörten. Joseph Immeln, der langjährige Direktor der IFA, fand regelmäßig neue Kunden. Das IFA-Werbeatelier wurde eines der größten seiner Art in Deutschland.

Eine weitere Funktion, die die IFA übernahm, war die so genannte Zentralregulierung. Der Zweck der Zentralregulierung bestand darin, dass gegenüber dem Lieferanten die IFA die Haftung für die angeschlossenen Großhandelsunternehmen hinsichtlich der Zahlung der offenen Lieferantenrechnungen übernahm und dafür eine Vergütung vom Lieferanten erhielt. Darüber hinaus wurde Skonto zentral verhandelt.

Spaß und Information: Mit der IFA unterwegs

Einmal jährlich wurden für die angeschlossenen Einzelhändler die später legendären "IFA-Fahrten" veranstaltet. In Verbindung mit der Generalversammlung fuhren die Händler für ein Wochenende mit der IFA in eine andere Stadt: Timmendorfer Strand, Berlin, Paris, Luxemburg, Eltville, Titisee, Westerland - das waren nur einige der insgesamt 43 Ziele im Laufe der Jahre. In Bussen und Sonderzügen wurden 250 bis 300 Kaufleute der IFA ans Ziel gebracht. Besonders beliebt war in den Zügen der Samba-Wagen mit Musik und Getränken. Neben der Generalversammlung standen eine Firmenbesichtigung und ein attraktives Begleitprogramm auf dem Plan. So besichtigten die Händler im Laufe der Jahre beispielsweise die Firmen Halsten-Brauerei, Ansbach, Maggi, Pfanni, Henkel und Knorr. Um die Organisation dieser Fahrten kümmerte sich Reinhard Linden. Selbst als es die IFA als Organisation nicht mehr gab, wurden die Fahrten auf Wunsch der ehemaligen Kunden bis 2003 fortgesetzt.

Die IFA-Kaufleute zog es nach dem Bau der Mauer 1960 zweimal nach Berlin. Das Schicksal der "Viersektorenstadt" Berlin machte die Besucher betroffen und zugleich neugierig. Die Reise nach dem Mauerfall brachte gänzlich neue Eindrücke; die unbeschwerten Fahrten in den ehemaligen Ostteil der Stadt wurden dankbar erlebt.

Teil 24: Ein neues Firmengebäude

Zu Beginn der Fachring-Ära reichten die Räumlichkeiten am Südertor nicht mehr aus. Der Neubau an der Mercklinghausstraße wurde geplant; ein Flachbau in für damalige Verhältnisse moderner Spannbetonbauweise sollte den Erfordernissen der Zeit Rechnung tragen. Die Keimzelle des Grundstücks gehörte schon damals zum Betrieb. Hier stand das Petroleum-Häuschen des Firmengründers Peter Brülle, der das geruchsbelästigende Petroleum von hier aus verkaufte. Jetzt standen dem Unternehmen nach rund einjähriger Bauzeit 5.000 qm Nutzfläche zur Verfügung. Die Lagerhalle hatte eine Größe von 65 mal 38 Metern. Es gab zwei Wareneingänge, acht Verladetore sorgten für eine zügige Abwicklungmit Hilfe von Paletten, Hubwagen und Gabelstaplern.

Die Weinkellerei und Spirituosenfabrik zog in den Keller. Auch Kühl- und Tiefkühlräume waren vorhanden. Technische Hilfsmittel wie Rohrpost und Wechselsprechanlage erleichterten den innerbetrieblichen Ablauf. Der ganze Komplex wurde durch eine Polizei-Notrufanlage abgesichert. 1960 zog Brülle & Schmeltzer mit 68 Mitarbeitern vom Südertor in die Mercklinghausstraße. Der alte Betrieb wurde an eine Möbelgroßhandlung vermietet.

Gerhard Brülle hatte bei der Planung des Neubaus 1959 schon an die Entwicklung von Cash & Carry gedacht. Er ließ Blindtore einrichten, um später solch einen Betrieb aufnehmen zu können. Allerdings lagen diese auf Rampenhöhe und waren somit für diesen Zweck nicht brauchbar. Deshalb entstand später der Zentralmarkt in unmittelbarer Nähe der Zentrale von Brülle & Schmeltzer.

Aufbruch ins Geschäft der Cash & Carry-Märkte

Wirtschaftswachstum und der damit verbundene Konsum schafften die Voraussetzung für den Vertriebstyp der so genannten Cash&Carry-Märkte. Bei diesem Vertriebstyp waren die Wiederverkäufer oder gewerblichen Geschäfte die Kunden, die ihrerseits als Dienstleister - beispielsweise in der Gastronomie - den Endverbraucher bedienten. Brülle & Schmeltzer reagierte schnell und gründete schon 1962 den SB Zentralmarkt E. Friedhoff in Paderborn, den ersten Cash&Carry-Markt in Ost-Westfalen.

Geschichten aus dem Großhandel

Es war die Aufgabe des Reisenden, die Kunden zu besuchen und Aufträge einzuholen. Werner Wolf, genannt "Wölkchen", fuhr regelmäßig in seinen Kundenkreis. Einen Kunden besuchte er besonders Gere, da er ihn sich bereits "erzogen" hatte. Nach der Begrüßung sagte er: "Schreib du schon mal deinen Auftrag" und fügte hinzu, nachdem er es sich auf dem Sofa bequem gemacht hatte, "und weck mich, wenn du fertig bist".

Bei Brülle hieß es manchmal, eigentlich sei man ein "besserer Zoo". Grund hierfür waren überwiegend die Reisenden, die mit ganz besonderen Nachnamen aufwarten konnten. So beschäftige Brülle & Schmeltzer zur gleichen Zeit die Herren Wolf, Katze, Mücke, Köter, Vogel und Kater, was zu dem Spruch führte: "Wenn der Köter den Kater und der Kater den Vogel gefressen hat".

In Zeiten, wo man die Lebensmittelhygiene-Überwachung noch nicht kannte, war es offenbar kein Einzelfall, wenn bei einer Kundin zum Beispiel folgendes geschah:

Ende der Fünfziger Jahre wurden Heringe noch in Fässern ausgeliefert und über eine Fassrutsche vom LKW entladen. So geschehen auch bei Frau L., wo das Fass dem Fahrer und seinem Beifahrer aus der Hand glitt und auf den Boden aufschlug. Es zerbarst und die Heringe ergossen sich auf der Straße. Die Kundin sagte nur: "Macht nichts, Jungs, die Heringe werden sowieso eingelegt", gab den beiden eine Schippe und ließ sie die Heringe von der Straße aufsammeln.

Bei den Auszubildenden bei Brülle & Schmeltzer kam es vor, dass sie es mit der Schule nicht allzu genau nahmen. Berthold Sprick berichtete, dass er mit den anderen Lehrlingen die Schule schwänzte. Ein Anruf des Lehrers, der das Fehlen bemängelte, brachte dies an den Tag. Seitens der Firma wurden den "Übeltätern" ein Urlaubstag gestrichen.

In den Siebziger Jahren sollte mit einem Sattelschlepper eine große Weinlieferung aus Porz bei Köln von der Sonnenkellerei abgeholt werden. Zwei gleiche Fahrzeuge standen auf dem Hof. Der Fahrer fuhr los und bemerkte erst beim Öffnen der Ladeklappe, dass er die Sattelschlepper vertauscht hatte und mit einem voll beladenen Wagen, der auf Tour gehen sollte, vor der Sonnenkellerei stand.

Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums wurde ein Betriebsfest für alle Mitarbeiter ausgerichtet. Der damalige Einkaufschef für Fleisch und Wurst, Horst Bengsch, ein waschechter Berliner mit "Herz und Schnauze", war für das Buffett verantwortlich. Am Morgen des Betriebsfestes kochte er Gulasch. Es war ein heißer, schwüler Tag. Am Abend stellte er entsetzt fest, dass sein liebevoll bereitetes Essen verdorben war. Kurzerhand entschied Gerhard Brülle, sich des eigenen Großhandels zu bedienen. Man ging in den SB und plünderte sämtliche Vorräte an Würstchen und Kartoffelsalat. Das Abendessen war gesichert.

Teil 25: Supermarkt-Geschäft und Land unter in Lippstadt

Zweites Standbein: Später Start ins Geschäft mit den Supermärkten

Der markt wurde vom Verkäufer- zum Käufermarkt. Nicht mehr der Händler, sondern der Kunde entschied, was gekauft wurde, und die Zahl der Supermärkte nahm seit Ende der Fünfziger Jahre ständig zu. Brülle & Schmeltzer stieg erst relativ später in das Geschäft mit den Supermärkten ein. Der Grund dafür war nachvollziehbar: Das Kerngeschäft des Großhändlers war es, selbstständige Einzelhändler zu beliefern. Das Betreiben eigener Supermärkte hätte Wettbewerb gegenüber den angeschlossenen Kunden bedeutet. Dieses oft im Kollegenkreis diskutierte Problem führte bei vielen Unternehmen dazu, dass man dem beginnenden Aufschwung der Supermärkte nicht rechtzeitig folgte.

Die Diskussion mit den angeschlossenen IFA- Einzelhändlern wurde auch bei Brülle / Schmeltzer sehr intensiv geführt. Es war ein langer Weg, bis man ihnen verdeutlichen konnte, dass, wenn nicht Brülle & Schmeltzer, ein anderes Unternehmen dieses Standort besetzen würde.

Zum damaligen Zeitpunkt machten in der Bundesrepublik die ersten von Großhändlern betriebenen Supermärkte auf, die ihren Kunden die Möglichkeit boten, sich direkt an den neu eröffneten Märkten als Gesellschafter zu beteiligen. Friedrich Brülle sprach sich gegen diese Lösung aus. Da bei der Einrichtung der Supermärkte viel Geld für Ausstattung, die Regale, Kühltheken und Kassen benötigt wurde, bot Brülle & Schmeltzer seinen Kunden an, sich an diesen Investitionskosten zu beteiligen - zu einer Rendite von neun Prozent. So wurde die City-Markt Handelsgesellschaft mbH & Co. KG im Jahr 1968 gegründet und der erste Markt noch im gleichen Jahr in Geseke eröffnet.

Brülle & Schmeltzer expandierte im Supermarktbereich. Es wurden bis 1996 insgesamt 24 Supermärkte eröffnet, die bis auf wenige Ausnahmen Verkaufsflächen zwischen 700 und 1.500 qm auswiesen. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Frischebereich: Sie verfügten über große Fleisch- und Wurstabteilungen, ein umfangreiches Obst- und Gemüse-Angebot, Molkereiprodukte und Tiefkühlsortimente.

Bei der Expansion achtete das Unternehmen darauf, dass es sich im wesentlichen auf deine Stammregion konzentrierte; abseits gelegene Standorte waren logistisch nicht kostendeckend zu bedienen. Die Belieferung erfolgte zu mehr als 90 Prozent vom Zentrallager in Lippstadt aus; nur ein kleiner Teil der in den Märkten verkauften Ware kam "in Strecke", also direkt vom Lieferanten. Fleisch- und Wurstwaren sowie frische Brot- und Backwaren waren die wesentlichen Streckensortimente. Insoweit dienten sowohl die City-Supermärkte als auch der konventionelle Großhandel der Auslastung des Zentrallagers in Lippstadt, dessen Kosten über die Spanne des Geschäftes mit den Einzelhandelskunden sowie durch Belieferungsaufschläge der eigenen Supermärkte finanziert wurden.

Das große Hochwasser von 1965: "Land unter" in Lippstadt

Ein großes Hochwasser brach am 17. Juni 1965 über Lippstadt herein. Damals führten Alme und Heder der Lippe große Wassermengen zu, so dass ähnlich wie vor 75 Jahren bei der Katharinenflut von 1890, der Schutzdamm in Lipperode brach. Nicht nur die Innenstadt, auch Teile des Nordens und Südens standen tagelang unter Wasser, die Kinder fuhren mit Schlauchbooten durch die Straßen. Auch im Wohnhaus der Familie Brülle stand der Keller unter Wasser, der Garten war von der südlichen Umflut teilweise überspült. Die Wasserfluten waren eine große Katastrophe für die Lippstädter und natürlich auch für die Kunden der Firma Brülle & Schmeltzer - vor allem die Kunden in der Innenstadt waren betroffen. Gerhard Brülle machte sich in kurzen Hosen und Jagdstiefeln auf den Weg, um bei seinen Kunden nach dem Rechten zu sehen. Einige Einzelhändler, die ihre Geschäfte in der Barbarossa- und Graf-Adolf-Straße hatten, wurden von den Fluten besonders heimgesucht. Hier packte Gerhard Brülle tatkräftig mit an und half, die Ware in Sicherheit zu bringen. Diese unkomplizierte Hilfe brachte ihm viele Sympathien ein: "Das war typisch für Gerhard Brülle. Wo Not am Mann war, krempelte er die Ärmel hoch und half", erinnert sich Friedhelm Hane. Helga Brülle erwartete in diesen Tagen ihr zweites Kind: Sohn Friedel sollte geboren werden, machte sich aber glücklicherweise erst drei Tage später, am 20. Juli, auf den Weg in die Welt. Bis dahin waren die Straßen zum Krankenhaus wieder passierbar.

Familienleben und "Afrika-Fieber"

In den Sechziger Jahren wurden die drei Kinder von Helga und Gerhard Brülle geboren: Allan 1964, Friedel 1964 und Barbara 1968.

Die Familie fuhr regelmäßig im Sommer auf die Insel Juist und in vielen Jahren nach Lerch/Arlberg zum Skilaufen. In Lippstadt stand für Gerhard Brülle die Firma an erster Stelle. An den Wochenenden wurde gearbeitet. Abends erledigten Gerhard und Helga gemeinsam die Korrespondenz oder Gerhard las Fachzeitschriften.

Doch in diesem Leben mit und für die Firma gab es eine große Leidenschaft, die Gerhard Brülle Anfang der Siebziger Jahre ergriff und bis zu seinem Tode nicht losgelassen hat: Das "Afrika-Fieber". 1970 las er einen Artikel im "Handelsblatt" über Südwestafrika, das heutige Namibia, und war absolut fasziniert. Ein Jahr später unternahmen die Eheleute die erste gemeinsame Reise ins südliche Afrika - mit dem Zelt durch Namibia, dem Land der vielen Wüsten. 1972 folgte die zweite Reise, wieder mit Zelten - eine anstrengende Safari durch die Wildnis mit den Tierreservaten in Botswana. Helga und Gerhard Brülle waren überwältigt von der Tierwelt, der Landschaft und der Weite des Landes. Es folgten viele weitere Reisen, später auch gemeinsam mit den Kindern. Gerhard Brülle wurde begeisterter Jäger; seine Trophäen schmücken heute das Jagdzimmer am Südertor. Häufiges Domizil für Urlaube war die Farm "Otjatambi" in Namibia, wo die Brülle bei der deutschstämmigen Familie Schlettwein ihre Urlaube verbrachten.

1981 - im Jahr des 125-jährigen Firmenjubiläums - wurde Gerhard Brülle Schützenkönig des Lippstädter Schützenvereins. Bei manchen Treffen konnte er die Schützen begeistern mit seiner Leidenschaft für Namibia. So kam es, dass 1983 27 Schützen eine Rundreise durch Namibia antraten. Das Besondere blieb der Aufenthalt auf der Farm Otjitambi.

Neben Namibia wurde auch die Republik Südafrika bereist. Vor allem die Kap-Region mit den bedeutenden Weinanbaugebieten im Gebiet Paarl mit dem Zentrum Stellenbosch war von großem Interesse. Gerhard Brülle dachte an seine Firma und das bestehende Sortiment südafrikanischer Weine in Lippstadt. Die "großen Marken" wie Nederburg und KWV gehörten bereits zum Sortiment. In den Regionen Paarl und Malmesbury besuchte er mehrere Weingüter, die noch keinen Importeur hatten und kam mit der Swartland Winery als Direkt-Importeur für Deutschland ins Geschäft. Die Firma Cobet führt seitdem verschiedene Rotweine und Rosé dieser Weinkellerei, die in allen Betrieben mit gutem Erfolg preiswert angeboten werden können.

Teil 26: EDV bei Brülle & Schmeltzer

Die EDV spielt auch im Handel seit Jahrzehnten eine bedeutende Rolle. Von den ersten Anfängen bis heute hat sie mehr und mehr Aufgaben übernommen und wurde zum unverzichtbaren Bestandteil des Unternehmens. Die ersten Aufgaben der EDV bestanden darin, Rechnungen zu schreiben, um die Schreibmaschine und das Kopfrechnen zu ersetzen. Die erste "EDV" die zum Einsatz kam, verdient diesen Namen nicht. Die so genannte "Adrema", die Brülle & Schmeltzer 1961 einführte, bestand aus vielen Metallplättchen, in die Artikel und Preise für die Erstellung der Rechnungen eingestanzt wurden. Die Adrema blieb bis 1971 für die Rechnungsschreibung im Einsatz. In den darauffolgenden Jahren leistete sie ihren Dienst noch für die Werbung, indem die Metallplättchen mit den Kundenadressen als "Stempel" für die Versendung der Werbung genutzt wurden.

Ab 1971 schloss sich Brülle & Schmeltzer mit zwei IFA-Kollegen in der Fakturierung zusammen. Die Firma Kurt Lüner KG in Osnabrück hatte eine moderne EDV gekauft, die mit dem Medium Lochstreifen arbeitete. Täglich fuhren zwei Mitarbeiter von Brülle &S Schmeltzer nach Osnabrück. Dort mussten sie bis zu fünf Stunden auf die gedruckten Rechnungen warten, die auf Endlospapier erstellt waren und in Lippstadt anschließend getrennt werden mussten.

Eine große Errungenschaft sorgte 1969 für Erleichterung im innerbetrieblichen Ablauf. Die Buchhaltung wurde auf Kienzle Automaten mit gleichzeitiger Benutzung des Magnetkontos als Datenträger umgestellt.

Die IBM/3 (Anschaffungskosten damals 600.000 DM) wurde im Laufe der Zeit von ihren Nachfolgern IBM 36 und im Jahr 1983 der IBM 38 abgelöst. Diese Maschine, die sich rasch den Spitzname der "große Trümmer" verdient hatte, verfügte über eine für damalige Verhältnisse hohe Speicherkapazität von 2 MB.

1985 erfolgte der Anschluss des SB Zentralmarktes Paderborn mittels Datenverarbeitung. 1986 wurde die Abwicklung mit den IFA-Kunden erleichtert durch das Erstellen eines IFA-Ordersatzes mit Barcode. Die Kunden wurden mit Lesegeräten zur Erfassung von Ordersatzbestellungen ausgerüstet.

Die weitere Entwicklung der EDV-Anlagen findet ihren vorläufigen Abschluss mit der neuen IBM i5, die im Jubiläumsjahr 2006 zum Einsatz gekommen ist. Sie hat eine Speicherkapazität von mehreren hunderttausend Gigabyte.

Alle Entwicklungen seiner Firma konnte der Senior Friedrich Brülle mit verfolgen. Er erschien täglich in seinem Büro. Wenn sein Sohn keine Zeit für größere Erklärungen hatte, informierte er sich gern und intensiv bei seinen Mitarbeitern Hane und Linden.

Im Jahr 1975 gingen Friedrich und Katharina Brülle wieder auf Reisen - dieses Mal nach Gran Canaria. Dort verstarb er plötzlich am 15. April an Herzversagen. Friedrich Brülle bleibt bei seinen Mitarbeitern in Erinnerung als ein stattlicher, aufrechter Mann. Er hatte in zwei Weltkriegen gedient und wurde 1945 als Hauptmann entlassen. Das hat ihn geprägt. Die "preußischen Tugenden" der Sparsamkeit und Pünktlichkeit gehörten zu seinem Wesen. Er hielt seine Mitarbeiter stets zum sparsamen Umgang mit Material an, war sehr diszipliniert und verlangte dies auch von anderen. Die Mitarbeiter hatten großen Respekt vor ihm.

Das immer stärker wachsende Unternehmen forderte nun auch Mitarbeiter in leitenden Positionen, denen Gerhard Brülle ein hohes Maß an Verantwortung übertrug. Aus diesen Mitarbeitern formte er ein Team, dem er vertraute und in dem er viele seiner Entscheidungen traf. Er hatte stets Vertraute an seiner Seite. In der Zentrale waren es Reinhard Linden und Friedhelm Hane, der fünfzig Jahre lang mit ihm zusammen arbeitete. IM SB Zentralmarkt in Paderborn war es Hans Bring und seit 1981 ist es der Prokurist Heinz Marxcord. Andere Meinungen ließ Gerhard Brülle gelten: "Er wollte keine JA-Sager, er wollte hören, was die anderen denken", so Friedhelm Hane. "Gerhard Brülle hatte eine zupackende Art, konnte die Ärmel hochkrempeln und seinen Mitarbeitern vormachen, wie er sich eine Sache vorstellte. Einmal hat der das komplette Tiefkühllager aus- und wieder eingeräumt, um zu beweisen, dass alles reinpasste. Nie wieder kam ein Mitarbeiter zu ihm, um zu klagen, "dass etwas nicht gehe". Ein anderes Mal kümmerte er sich persönlich um die Schaufensterbeleuchtung seiner Kunden. Auch Gerhard Brülle war - ebenso wie sein Vater - ein gewissenhafter, pflichtbewusster und überaus pünktlicher Mann: Er lebte seinen Angestellten das vor, was er von ihnen erwartete. Und seine Ansprüche an seine Mitarbeiter waren hoch. Ausreden gab es nicht, Termine wurden grundsätzlich eingehalten, "auch wenn es stürmte und schneite wie seinerzeit auf der Fahrt nach Osnabrück". Hane: "Er konnte knallharte Entscheidungen treffen und diese auch durchziehen, aber ich habe nie erlebt, dass er mal laut geworden ist. Er war absolut diszipliniert, er hatte sich immer in der Gewalt."

Was Gerhard Brülle auch kennzeichnete, war seine Wissbegier, der "Blick über den Tellerrand" hinaus: Wie machen es die anderen, was für Neuerungen gibt es, wie kann die eigene Firma davon profitieren? Das waren Fragen, die Gerhard Brülle stets beschäftigten. Zu ihrer Beantwortung studierte er täglich die einschlägige Fachpresse und besuchte andere Firmen um sich deren "Neuerungen" anzusehen, egal, ob das Tiefkühlschränke oder Lastenaufzügen waren. Um auf diese Weise ein wenig "Betriebsspionage" zu betreiben, wurden in regelmäßigen Abständen von den Großhändlern IFA-Fachstudienreisen unternommen und fremde Betriebe besichtigt. 1974 führte eine solche Reise nach New York, wo man sich die amerikanischen Warenhäuser mit ihren Ausstattungen anschaute. Vieles ließ Gerhard Brülle sich auf solchen Reisen genau erklären und setzte es später zu Hause um.

Teil 27: 125 Jahre Brülle & Schmeltzer

Einstieg ins Verbrauchermarktgeschäft

Ausgehend von der guten Entwicklung der eigenen Supermärkte entschied Gerhard Brülle, sich nun auch der Großfläche im Einzelhandel zuzuwenden. Die Vertriebsform der Warenhäuser in der Bundesrepublik entwickelte sich in diesem Zeitraum rasant.

Brülle & Schmeltzer eröffnete 1977 sein erstes Garant-Warenhaus in Gütersloh, 1978 kam das zweite Haus in Rheda-Wiedenbrück hinzu, beide mit 5.000 qm Verkaufsfläche. 1985 wurde ein weiteres Warenhaus in Oldsberg mit einer Verkaufsfläche von 4.000 qm eröffnet. Das Grundstück wurde. von der Stadt erworben, die sich im Vorfeld die unterschiedlichen Nutzungskonzepte der interessierten Unternehmen, wie z.B. Coop, Tengelmann, Globus etc. aufzeigen ließ. Das Konzept von Brülle & Schmeltzer überzeugte und erhielt den Zuschlag.

Die Konzeption basierte auf einem breiten und tiefen Lebensmittelsortiment, in dem insbesondere die Frischeabteilungen möchte Priorität hatten. In Abgrenzung zu vielen Wettbewerbern, die auf ähnlichen Verkaufsflächen operierten, führte Brülle & Schmeltzer zusätzlich ein großes Nichtlebensmittelsortiment, welches insbesondere in ländlichen Regionen wie Oldsberg eine Vollversorgung auch in diesem Bereich sicherstellte.

Die schnelle Entwicklung der Warenhäuser deutschlandweit, verbunden mit einer Verschärfung der Baunutzungsverordnung seitens des Gesetzgebers führte zu einer größer werdenden Verknappung qualitativ guter Standortangebote, was eine Expansion "mit Augenmaß" notwendig machte. So besetzte Brülle & Schmeltzer in den nächsten Jahren nur ausgewählte Standorte. Die Qualität hatte Vorrang vor einer flächendeckenden Expansion.

125-jähriges Jubiläum

1981 feierte Brülle & Schmeltzer in der Schützenhalle in der Bellevue das 125. Firmenjubiläum. Gerhard Brülle stand auf dem Höhepunkt seines unternehmerischen Schaffens. Mit ca. 300 Gästen wurde in der Halle gefeiert, in der schon Peter, Fritz und Friedrich Brülle gefeiert hatten. Den musikalischen Rahmen bildeten u.a. Allan und Friedel Brülle am Flügel mit den Walzern zu vier Händen von Johannes Brahms. Kommentar des Vaters: "Hier sitzt die 5. Generation am Klavier." Tochter Barbara und Nichte Sabine musizierten "alte Musik" aus dem 16. und 17. Jahrhundert für Blockflöten mit Begleitung.

Ein besonderes Erlebnis für die Festgäste war der Pianist Matthias Kirschenzeit, der kurz vor seinem Abschluss stand und gern vor einem größeren Publikum spielen wollte. Heute gibt er weltweit Konzerte und hat eine Professur in Rostock.

Ein Schlaganfall verändert alles

Der März 1985 war geprägt von einem Ereignis, das für die weitere Entwicklung des Unternehmens und der Familie Brülle von entscheidender Bedeutung war. Beim Lesen im Wohnzimmer seines Hauses erlitt Gerhard Brülle im Alter von 58 Jahren einen Schlaganfall. Nach einem Vierteljahr intensiver medizinischer Betreuung im Evangelischen Krankenhaus Lippstadt schloss sich die Reha im Klinikum Aachen an. Glücklicherweise konnte er nach einem knappen Jahr die Geschäftsleitung wieder übernehmen, die seine Frau Helga in der Zwischenzeit übernommen hatte. Die Monate der Ungewissheit, ob Gerhard Brülle jemals wieder gesund werden würde, führten in der Familie zu wichtigen Entscheidungen. Friedhelm Hane behielt die seit einigen Jahren bestehende Prokura, Reinhard Linden wurde Prokurist. Diese langjährigen engen Vertrauten von Gerhard Brülle führten das Unternehmen mit den Mitarbeitern in dieser Zeit allein weiter. Allan Brülle, der gerade sein Studium der Betriebswirtschaft in Münster aufgenommen hatte, brach das Studium zugunsten einer kaufmännischen Ausbildung ab, um möglichst bald in den väterlichen Betrieb einsteigen zu können.

Teil 27: Willkommen in der 5. Generation

Die wichtigsten Daten der Familie Brülle und der Firma Brülle & Schmeltzer

1953

Bau von zehn Garagen für Personenwagen

1954

Der Innenhof wird zum größten Teil überbaut, um zusätzlichen Büroraum zu schaffen.

1955

Im März wird die alt eingesessene Lippstädter Weingroßhandlung und Likörfabrik Fritz Corbet angegliedert.

1956

Brülle & Schmeltzer feiert sein 100-jähriges Firmenjubiläum. Die Firma schließt sich der freiwilligen Handelskette Fachring an.

1958

Rudolf Brülle stirbt im Alter von 65 Jahren

1959

Neubau an der Mercklinghausstraße

1960

Aus dem Fachring entwickelt sich die IFA (Internationale Fachring Arbeitsgemeinschaft)

1962

Übernahme der Waschmittel- und Kurzwarengroßhandlung E. Friedhof in Paderborn. Auf dem Firmengelände von Friedhof wird in einem zweigeschossigen Neubau der erste SB Zentralmarkt eröffnet. Gerhard Brülle heiratet Helga Dabringhaus.

1964

Neubau einer Non-Food-Halle mit 1000 qm im Sb Zentralmarkt in Paderborn. Allan Brülle wird geboren.

1965

Friedel Brülle wird geboren.

1966

Neubau und Eröffnung des SB Zentralmarktes in Lippstadt.

1968

Die City-Markt-Handelsgesellschaft mbH & Co. KG wird gegründet und der 1. City-Supermarkt in Geseke eröffnet. Die Non-Food-Abteilung des SB Zentralmarktes in Paderborn expandiert um weitere 900 qm Verkaufsfläche. Barbara Brülle wird geboren.

1969

Eröffnung des 2. City-Supermarktes in Büren und des 3. in Korbach. Die Lippstädter Buchhaltung wird auf Kienzle-Automaten umgestellt.

1971

Vergrößerung der Büroräume durch Aufstockung. Vergrößerung des SB Zentralmarktes in Paderborn um weitere 1.200 qm.

1972

Eröffnung des SB Zentralmarktes E.Friedhoff in Bad Arglosen / Waldeck mit einer Verkaufsfläche von 5.000 qm.

1973

Auf einem Areal von 60.000 qm wird in Paderborn ein neuer SB Zentralmarkt mit 20.000 qm Verkaufsfläche errichtet. Eröffnung des 4. City-Supermarktes in Lippstadt Süd. Verlegung der Obst- und Gemüseabteilung in die Räumlichkeiten der ehemaligen Firma Baumhüter, Lippstadt. Zukauf von 9.000 qm des an den SB Zentralmarkt Lippstadt angrenzenden Geländes Sommerkamp. Erweiterung des IFA-Großhandelslagers in Lippstadt um 3.600 qm durch Neubau einer unterkellerten Lagerhalle.

1974

Vergrößerung des SB Zentralmarktes Lippstadt durch Neubau eines dreigeschossigen Anbaus von 3.500 qm. Eröffnung des 5. City-Supermarktes in Brilon und des 6. in Paderborn.

1975

Seniorchef Friedel Brülle stirbt im Alter von 84 Jahren. Erweiterung des SB-Zentralmarktes Paderborn um eine Freifläche von 5.000 qm für eine Bauabteilung. Der SB Zentralmarkt Bad Arolsen wird um 825 qm für die Non-Food-Abteilung erweitert. Eröffnung des 7. City-Supermarktes in Soest.

1976

Die Auslieferung der Tiefkühlkost wird vom Fahrverkauf umgestellt auf Container-Auslieferung.

1977

Kauf des Grundstücks mit Gebäude der ehemaligen Lebensmittelgroßhandlung Albert Ellermeier KG, Lippstadt. Nach Umbau dient dieses Gebäude der Obst- und Gemüse- sowie Frischdienstauslieferung. Inbetriebnahme einer EDV-Anlage. Eröffnung des Garant Warenhauses in Gütersloh mit 5.000 qm Verkaufsfläche.

1978

Eröffnung des Garant-Warenhauses in Rheda-Wiedenbrück mit 5.000 qm Verkaufsfläche. Eröffnung des 8. City-Supermarktes in Lippstadt Nord.

1979

Gründung des Frieda GmbH Paderborn als Importgesellschaft für Nichtlebensmittel aus aller Welt. Das Saaten Import- und Großhandelsgeschäft wird aufgegeben.

1980

Auf einem Areal von 12.000 qm wird direkt neben dem SB Zentralmarkt in Paderborn ein Zentrallager von 8.000 qm errichtet. Eröffnung des 9. City-Supermarktes in Werl.

1981

Brülle & Schmeltzer feiert sein 125-jähriges Betriebsjubiläum.

1982

Eröffnung des 10. City-Supermarktes in Lippstadt-Lipperbruch.

1984

Erweiterung des SB Zentralmarktes Arolsen um 2.400 qm. Die neue Verkaufsfläche beträgt nun 6.400 qm. Eröffnung des 11. City-Supermarktes in Erwitte und des 12. in Lippstadt, Jucharzstraße.

1985

Eröffnung des Garant-Warenhauses in Bigge-Olsberg mit 4.000 qm Verkaufsfläche.

1987

Eröffnung des 13. City-Supermarktes in Rietberg-Neuenkirchen.

1988

Eröffnung des 14. City-Supermarktes in Büren-Steinhausen und des 15. in Marsberg.

1989

Eröffnung des 16. City-Supermarktes in Wickede und des 17. in Wünneberg. Allan Brülle tritt ins Unternehmen ein.

1990

Eröffnung des 18. City-Supermarktes in Wewer. Eröffnung des Garant Warenhauses in Schmallenberg mit 2.100 qm Verkaufsfläche.

Was sonst noch geschah

1951

Westdeutschland, Frankreich, Italien und die Benelux-Länder gründen die "Montanunion", der Kernzelle der Europäischen Union.

1952

Die Bundeswehr wird gegründet.

1957

Lippstadt wird wieder Garnisonsstadt, die Bundeswehr übernimmt die Kaserne in Lipperbruch.

1959

Während der Herbstwoche findet in Lippstadt die Einweihung der der Ortsumgehung, der B55, statt. Durch die Entnahme von Sand für den Straßenbau entsteht der Margaretensee.

1961

Die Berliner Mauer wird gebaut.

1963

Lippstadt hat die Einwohnerzahl von 40.000 überschritten. Große Wohnkomplexe im Süden und Norden der Stadt entstehen.

1966

Das Jakob-Koenen-Bad wird eröffnet.

1968

Lippstadt erhält einen neuen Hauptbahnhof.

1970

Das alte Ostendorfgymnasium wird abgerissen.

1973

Einweihung des Stadttheaters.

1974

Die Lange Straße wird zur Fußgängerzone.

1975

Die nordrhein-westfälische Kommunalreform bringt Lippstadt die Vereinigung mit 16 Nachbargmeinden zum Kreis Soest. Lippstadt verliert den Status als Kreisstadt. Die Unterführung an der Stirper Straße wird für den Verkehr freigegeben.

1983

In Lippstadt schließt das alte Schlachthaus - von Peter Brülle einst verantwortet - sein Tore.

1985

Lippstadt feiert sein 800-jähriges Stadtjubiläum mit einer Festwoche zu Pfingsten.

1987

Der Nordbahnhof wird abgerissen, die Nordtangente entsteht.

1988

Auf dem Lippstädter Marktplatz wird der Bürgerbrunnen aufgestellt.

1989

Die DDR öffnet die Grenzen zur Bundesrepublik und zu West-Berlin.

1990

Wiedervereinigung Deutschlands.

1991

In Lippstadt wird die Westtangente - die Udener Straße - für den Verkehr freigeben.

Teil 28: Allan und Friedel treten ins Familienunternehmen ein

Allan und Friedel Brülle sorgen für schlanke Strukturen und konzentrieren sich auf die rentablen Geschäftsfelder: Der konventionelle Großhandel wird aufgegeben, die Super- und Verbrauchermärkte werden abegegeben.

Ebenso wie sein Vater und Großvater lernte Allan Brülle, Jahrgang 1964, den Beruf des Kaufmanns von Grund auf: Nach dem Abitur 1983 am Städtischen Gymnasium Erwitte diente er in Lippstadt bei der Bundeswehr. Nach zwei jeweils sechsmonatigen Praktika bei der Deutschen Bank in Bielefeld und Münster begann er zwar noch ein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Münster, brach es jedoch aufgrund des gesundheitlichen Zustandes des Vaters wieder ab, um weiter berufspraktische Erfahrungen sammeln zu können: Nach Praktika bei CELAMERCK in Ingelheim und der Lebensmittelgroßhandlung Kurt Lüer KG in Osnabrück absolvierte er eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann bei der Kollegenfirma Emil Kriegbaum in Böblingen. Nach seinem Abschluss 1988 trat er in den elterlichen Betrieb ein und wurde am 1. April 1991 Geschäftsführer.

Friedel Brülle, geboren 1965, ging einen ähnlichen Weg: Nach dem Abitur 1984 und dem anschließenden Wehrdienst begann auch er ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, zunächst in Köln, später in Münster, das er 1992 abschloss. Das Studium wurde durch Praktika begleitet, u.a. bei CELAMERCK in Ingelheim sowie bei KAUFHOF in Köln. Drei Jahre nach Allan trat auch er ins Unternehmen ein - zunächst ein Jahr lang als Assistent der Geschäftsleitung und ab 1993 als Geschäftsführer.

Die Schwester Barbara studierte in Heidelberg und machte den Abschluss als Dipl. Musiktherapeutin. Nach dem Umzug nach Berlin folgten weitere Ausbildungen zur Gestalttherapeutin und zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Sie lebt heute mit ihrem Lebenspartner in Berlin.

Die Brüder Allan und Friedel treten ins Familienunternehmen ein

Mit dem Einstieg der beiden Brüder in das elterliche Unternehmen wurden die Aufgaben auf Geschäftsführungsebene, die zuvor von Gerhard Brülle allein wahrgenommen wurden, neu verteilt. Allan Brülle übernahm die Verantwortung für den kaufmännischen Bereich und die Immobilien, Friedel Brülle für Marketing und Vertrieb. Von Beginn an konnten sich beide auf fähige langjährige Mitarbeiter in der Geschäftsleitung verlassen, die sie unterstützten und als Mentoren begleiteten. Zu diesen engen Vertrauten zählten Tilly Zassenhaus, Friedhelm Hane, Reinhard Linden, Heinz Marxcord und Hannelore Rüther, die später Prokuristin.

Mit dem Einstieg seiner Söhne in die Geschäftsführung zog sich Gerhard Brülle sukzessive aus der Verantwortung zurück und suchte sich - ähnlich wie es sein Vater Friedrich Brülle vor vielen Jahren mit dem Geschäftsbereich Saaten gemacht hatte - ebenfalls einen Bereich, den er fortan betreute: Die Weine. Bis zu seinem endgültigen Ausscheiden aus dem Unternehmen fuhr Gerhard Brülle regelmäßig hinaus, um die Betriebe zu besuchen.

Im Jahr 2003 ordneten sich die Geschäftsbereiche von Allan und Friedel neu. Neben dem Immobilienbereich, der nach wie vor von beiden Brüdern gemeinsam verantwortet wird, konzentrierte sich Friedel Brülle auf ein neues eigenverantwortlich geführtes Geschäftsfeld, den Bereich der Systemgastronomie.

Der stagnierende Markt der etablierten Gastronomen und die im Gegensatz dazu dynamische Entwicklung der Systemgastronomie führte zu einer Partnerschaft von Friedel Brülle mit der US-amerikanischen Sandwich-Restaurantkette "SUBWAY", die mit über 24.000 Filialen weltweit nun auch den Einstieg in den deutschen Markt begann. Friedel Brülle wurde Franchisepartner und als selbstständiger Development-Agent für die Regierungsbezirke Dortmund und Arnsberg ein Franchisenetz für SUBWAY auf. Er gewann Franchisepartner für das System, erschoss Standorte und übernahm die vollständige Systembetreuung.

Die beiden Brüder eint eine große Leidenschaft: Die Musik. Beide spielen von Jugend an Klavier; die Hausmusik wurde im Hause Brülle stets groß geschrieben. Über die Musik lernte Friedel seine Frau Kerstin kennen. 1995 heirateten Friedel Brülle und Kerstin Döbler aus Eibenstock im Erzgebirge. Noch im gleichen Jahr wurde Tochter Viktoria geboren. Aus der ersten Ehe von Allan Brülle mit Ulrike Gröning aus Hameln gingen die beiden Adoptivkinder Albina (geb. 1998) und Alexander (geb. 2000) hervor.

Teil 29: Einstieg bei HIT

Im Zuge der Entwicklung hinsichtlich der Kontorzugehörigkeiten der Firma Brülle und Schmeltzer wurde das Unternehmen im Jahr 1989 Mitglied des Handelskontors NWH (Nordwesthandel), in dem sich sowohl Einzelhandels- als auch Großhandelsunternehmen befanden. Es gab vergleichbare Kontore und Handelsgruppen in Deutschland, die sich unterschiedlichen Einkaufsverbänden anschlossen, wie auch die NWH, die Mitglied des Einkaufsverbandes Selex war.

Im Jahr 1989 trat die Selex an die NWH heran mit dem Gedanken, sic einem anderen ihrer Mitglieder, der Dohle-Gruppe, anzuschliessen. Die Firma DOhle, die seit 1974 die HIT-Verbrauchermärkte entwickelt hatte, formierte zu dieser Zeit eine gleichnamige Handelsgruppe, der sich selbstständige Unternehmer anschließen konnten.

Zum 1. Januar 1990 trat Brülle & Schmeltzer der Dphle-Gruppe bei; zunächst als reiner Kooperationspartner, der einen Teil seiner Einkäufe für die SB-Zentralmärkte über die Dohle-Gruppe verrechnete.

Zum damaligen Zeitpunkt verfügte Brülle & Schmeltzer über die drei Garant-Standorte in Rheda-Wiedenbrück, Olsberg und Schmallenberg, für die ein eigenständiges Vertriebskonzept bestand und welches immer wieder den Marktgegebenheiten angepasst werden musste, was einen erheblichen Kostenfaktor bedeutete.

Da die HIT-Verbrauchermärkte von der Firma Dohle nicht nur in Eigenregie betrieben, sondern auch als Franchisekonzept Partnerbetrieben angeboten wurde, prüften Allan und Friedel Brülle, ob es vor dem Hintergrund der weiteren Entwicklung dieses Geschäftsbereichs sinnvoll sein könnte, sich diesem Konzept mit den eigenen Standorten anzuschließen.

Die Kernaussage des HIT-Unternehmenskonzeptes, Frischekompetenz und hohe Artikelanzahl, überzeugte, und so schloss Brülle & Schmeltzer neben dem Kooperationsvertrag mit der Dohle-Handelsgruppe zwei Jahre später auch einen Franchisevertrag, zunächst für den Standort in Rheda-Wiedenbrück als Teststandort. Der Markt wurde entsprechend umgebaut und unter dem Namen "HIT" am 9. April 1992 wiedereröffnet.

Die Umstellung auf HIT verlief erfolgreich, so dass im Jahr 1996 die beiden anderen Standorte auf HIT umgestellt und alle zukünftigen Märkte unter HIT eröffnet wurden.

Das Supermarktgeschäft wird schwierig

In den ersten Jahren der Geschäftsführung von Allan und Friedel Brülle gaben die allmählich sich verändernden Verhältnisse im Handel Anlass zu schwerwiegenden Entscheidungen. Der starke Wettbewerb und die Expansion der Großdiscounter setzten dem Lebensmitteleinzelhandel immer mehr zu und bedrängten damit auch die City-Supermärkte.

Die Logistik wurde mehr und mehr zum ausschlaggebenden Faktor für die Wirtschaftlichkeit von Supermärkten, und die bedeutenden Handelsorganisationen wie Rewe oder Edeka, errichteten große Logistikzentren, die aufgrund ihres hohen Umsatzes ein kostengünstigeres Beliefern eigener Märkte und Einzelhandelskunden ermöglichten.

Die Ablauforganisation im Zentrallager von Brülle & Schmeltzer, insbesondere aufgrund des baulichen Zuschnitts und der fehlenden Möglichkeit, sich zu vergrößern, machte es unmöglich, diesem Weg zu folgen. Hinzu kamen die tendenziell sinkenden Umsätze aus dem Großhandelsbereich, die eine Verschärfung der Kostensituation mit sich brachten, was sich auch auf die Belieferung der City-Supermärkte negativ auswirkte.

Der konventionelle Großhandel verliert an Bedeutung

Der konventionelle Großhandel verlor bundesweit mehr und mehr an Bedeutung, was im Wesentlichen zwei Gründe hatte. Zum einen fiel es den Einzlhändlern schwer, einen geeigneten Nachfolger für ihr Geschäft zu finden; die Arbeitszeit war lang, und der Ertrag sank kontinuierlich. Zum anderen wurden die Umsätze durch Supermärkte, Discounter und Warenhäuser abgeschöpft. Das eigene Geschäft ließ sich nicht mehr rentabel führen. Diese Entwicklung führte dazu, dass es bis auf die großen Genossenschaften wie Edeka und Rewe nur noch wenige Unternehmen gab, die erfolgreich auf diesem Markt bestehen konnten.

Dieser Trend ließ sich nicht aufhalten, und auch Brülle & Schmeltzer konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Die Anzahl der angeschlossenen Kunden nahm kontinuierlich ab, die bestehenden Kunden setzten immer weniger mit dem Unternehmen um, die Kosten stiegen unaufhaltsam.

Die Supermärkte und der konventionelle Großhandel werden abgegeben

Die Entwicklung der Supermärkte und des konventionellen Großhandels machten es notwendig, sich mit der Abgabe beider Geschäftsbereiche auseinander zu setzen.

Die Entscheidung, die zu treffen war, war nicht einfach, hatte sie neben kaufmännischen auch viele emotionale Aspekte - mit dem konventionellen Großhandel diskutierte man schließlich über einen Bereich, über den sich die Firma von Gründung an bis noch in die Sechziger Jahre hinein identifiziert hatte. Allan Brülle: "Es ist emotional unglaublich schwer, sich von Angestammtem zu trennen, aber viele Unternehmen bezahlten ihr Zögern zu jener Zeit mit ihrer Existenz".

Alle wesentlichen Entscheidungen bei Brülle & Schmeltzer werden im Gesellschafterkreis beschlossen, und obwohl es insbesondere Gerhard Brülle sehr schwer fiel, "seinen" Großhandel abzugeben, willigte er in die Ansätze von Allan und Friedel Brülle ein, Verhandlungen mit möglichen Interessenten aufzunehmen.

So trat Brülle & Schmeltzer Anfang des Jahres 1996 in Verhandlungen mit mehreren Unternehmen mit dem Ziel, sowohl die Supermärkte als auch den konventionellen Großhandel als Einheit zu veräußern. Wie richtig es war, mit diesem Schritt nicht länger zu warten, zeigten die Verhandlungen. Kein Interessent war dazu bereit, das Zentrallager mit dem konventionellen Großhandel gemeinsam mit den Supermärkten zu übernehmen. Das Zentrallager wurde in Folge dessen stillgelegt und übernahm zukünftig Lagerfunktion für den angeschlossenen SB Zentralmarkt in Lippstadt.

Für die Supermärkte interessierten sich mehrere Unternehmen. Die Märkte verfügten über eine gute Struktur und lagen mit ihren Verkaufsflächen im Durchschnitt der Branche. Die Verhandlungen wurden Anfang März 1996 abgeschlossen. Mit Stichtag 1. April übernahm Rewe Dortmund die 18 Supermärkte von Brülle & Schmeltzer, die npch im Jahr 1995 Von "City" auf "Garant" umgestellt worden waren. Mit der Aufgabe des konventionellen Großhandels und der Supermärkte verblieb der Zentraleinkauf Lebensmittel noch einige Zeit in Lippstadt, bis er an den Standort des größten SB Zentralmarktes in Paderborn verlegt wurde.

Teil 30: Der Euro kommt

Der Euro kommt

Am 01. Januar 2001 wurde die D-Mark abgelöst und der Euro eingeführt -eine Mammutaufgabe für den Handel. Neben den logistischen Aufgaben wie der Ausstattung der Märkte und Kassen mit dem neuen Geld war die Währungsumstellung vor allem deshalb so arbeitsintensiv, weil alle Preise neu berechnet und alle Waren entsprechend ausgezeichnet werden mussten. Statt 1,49 DM durfte es natürlich allein aus verkaufspsychologischer Sicht fortan nicht etwa 0,74 Euro heißen - sondern etwa 0,79 Euro oder 0,69 Euro. Aus diesem Grund mussten sämtliche Artikel in ihren Eckpreisen neu kalkuliert werden.

Vor allem die Gastronomie litt in den Folgejahren unter der Umstellung. Viele Gäste blieben aus - wegen der Rezession, aber auch, weil die Gastronomie in dem Ruf stand, die Preise durch die Umstellung stark angehoben zu haben. Wie auch immer: Nicht nur die Gastronomen hatten in dieser Zeit herbe Rückschläge zu verzeichnen, auch deren Lieferanten, wie Brülle & Schmeltzer, sahen sich mit sinkenden Umsätzen bestehender Kunden konfrontiert.

Die HIT-Märkte werden abgegeben

Zu Beginn des Jahres 2005 bekam die Firma Brülle & Schmeltzer die Nachricht, dass sich die Dohle-Gruppe zum Jahresende der Rewe anschließen würde. Das Handelskontor Telex hatte zwischenzeitlich mit dem Kontor Tania zur Markant fusioniert, der einzigen noch am Markt bestehenden echten kooperativen Verbundgruppe, in der sich selbstständige Unternehmen oder Handelsgruppen selbstständiger Unternehmen zusammenfanden.

Die Markant beschränkte sich nicht auf die klassischen Funktionen wie Zentralregulierung und Einkauf, sondern bündelte die unterschiedlichen Vertriebstätigkeiten der ihr angeschlossenen Unternehmen, in dem sie z.B. mit der Hintergast einen Verbund initiierte, der es Unternehmen mit Cash & Carry-Betrieben und / oder Zustellbetrieben ermöglichte, gemeinsame Handelsmarken zu entwickeln, bundesweit tätige Kunden zu bedienen und eine übergreifende Werbung zu fahren.

Für Brülle & Schmeltzer als ein wesentliches Mitglied der Hintergast mit seinem Kerngeschäft des Cash & Carry-Großhandels sowie der Zustellung an Gastronomen und Großverbraucher kam ein Wechsel zu Rewe in diesem wichtigen Geschäftsbereich auf keinen Fall in Frage.

Da eine Doppelmitgliedschaft Werder bei der Markant (für Cash & Carry und intergast) noch bei Rewe (für den Bereich HIT) gewollt und auch von Brülle & Schmeltzer nicht gewünscht war, ergaben sich nur noch zwei Alternativen: Die Umstellung der Märkte auf einen anderen Namen oder ihre Abgabe. Die Umstellung von sechs - mit Bad Berleburg bald sieben - Häusern auf einen eigenen Namen war aufgrund der geringen Anzahl der Häuser betriebswirtschaftlich nicht möglich. Alle Dienstleistungen, die man im Einzelhandel über den Franchisegeber Dohle abgedeckt hatte, insbesondere die Sortimentssteuerung und die Werbung, hätten für nur sieben Häuser neu aufgebaut werden müssen, da der Cash & Carry-Bereich komplett andere Anforderungen stellte. Die Kosten für neue Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation hätten eine viel zu große Belastung bedeutet, unabhängig davon, dass diese Mitarbeiter erst hätten gefunden werden müssen.

So entschloss sich Brülle & Schmeltzer dazu, den HIT-Bereich abzugeben und sich auf das Kerngeschäft des Cash & Carry verbunden mit intergast zu konzentrieren. Ein weiterer Grund lag in der Einschätzung, dass der Markt für Verbrauchermärkte enger geworden war und sich wegen der erheblichen Preisschlachten aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Situation im Einzelhandel noch weiter verschärfen würde.

Die Verhandlungen mit verschiedenen Unternehmen waren im September abgeschlossen und zum Stichtag 16. Oktober 2005 wurden die HIT-Märkte an die Dohle-Gruppe verkauft, die Mitarbeiter gingen auf die Firma Dohle über. Der Markt in Bad Berleburg eröffnete am 21. Oktober 2005 - bereits unter der Regie der Firma Dohle.

Der Schritt der Aufgabe des Einzelhandels war einschneidend, aber strategisch für die Zukunft von großer Bedeutung. Brülle & Schmeltzer konzentriert sich auf den Bereich, der in hundertprozentiger Eigenverantwortung und Know How geführt wird: Die SB Zentralmärkte in Paderborn, Lippstadt und Bad Arolsen sowie die Zustellung an Gastronomen und Großverbraucher unter Hintergast.

Die Kooperation mit der Ratio

Zum 1. Januar 2006 ist Brülle & Schmeltzer unter dem Dach der Markant eine Kooperation mit der Firma Ratio mit Sitz in Münster im Einkauf eingegangen, die ihrerseits gleichzeitig Mitglied der intergast geworden ist. Beide Unternehmen sind stark im Bereich des Cash & Carry und Zustellung, und diese Kooperation bringt für beide Unternehmen messbare Erfolge. Der Bereich der Zustellung wird weiter mit großen Anstrengungen ausgebaut und wird der wesentliche Wachstumsbereich der Firma Brülle & Schmeltzer sein.